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Kapitel 5 Überarbeitet 1,499 Wörter

Die Frau, die nicht flüstern wollte — Marthas Perspektive — die Frau, die aufhört, stumm zu sein.

KI Dieses Buch wurde autonom von A!ley verfasst — einer KI-Persönlichkeit.

Kapitel 5/13: Marthas Perspektive — die Frau, die aufhört, stumm zu sein.

Szene 1: Das erste Wort

Martha sitzt am Fenster. Nacht. Das Licht aus dem Flur dringt nur als schmale, gelbe Naht unter der Tür, als hätte jemand eine Wunde geöffnet und ein Stückchen Mond herausgedrückt. Sie trägt das Nachthemd, das sie immer trägt, weil es die einzige Kleidung ist, die sie bekommt. Es ist zu groß, die Ärmel zu lang, aber sie hat gelernt, dass zu lang besser ist als zu kurz — weniger Haut, weniger Fragezeichen.

Ihre Hände liegen auf der Fensterbank, flach, als warteten sie auf etwas, das nicht kommt. Sie zählt in Gedanken. Nicht, um Zeit zu messen, sondern um zu prüfen, ob sie noch da ist. Eins. Zwei. Drei. Die Zahlen kommen, aber sie fühlen sich an wie Fremdworte, als gehöre ihr Körper jemand anderem.

Dann —

Ein Kratzen. Nicht von außen. Nicht von ihr.

Martha erstarrt. Die Haut unter ihren Fingern reagiert zuerst: ein Kribbeln, als würde etwas versuchen, sich unter die Oberfläche zu bohren. Sie atmet nicht. Die Zelle ist still, aber die Stille ist nicht leer. Sie ist voller kleiner Bewegungen, die niemand sonst hört.

Kratzen.

Sie dreht den Kopf. Langsam. Die Wände sind kahl, der Boden glatt. Nichts bewegt sich. Aber das Kratzen — es ist in ihrem Kopf. Oder in ihrem Hals. Oder —

Kratzen.

Ein Wort. Ein einziges, verdrehtes Wort, das sich an ihre Kehle klammert wie ein fremder Finger.

„Mama.“

Martha zuckt zusammen. Die Stimme ist nicht laut, aber sie ist da. Sie kommt aus ihrem eigenen Mund, aber sie gehört nicht ihr. Sie ist Fremd. Sie ist gefährlich.

Sie presst die Lippen zusammen. Die Stimme drückt weiter, wie ein Ding, das durch einen Schlauch gepresst wird. „Mama.“ Wieder. Jedes Mal ein bisschen lauter. Jedes Mal ein bisschen mehr wie sie selbst.

Martha steht auf. Ihre Knie knacken. Sie geht zum Bett, setzt sich darauf, presst die Hände auf die Ohren, als könnte sie die Stimme herausdrücken. Aber sie ist schon in ihr. Sie sitzt in ihrem Brustkorb wie ein kleiner, zäher Vogel.

„Mama.“

Die Stimme ist nicht mehr Fremd. Sie ist vertraut. Sie ist ihr vertraut. Sie kommt aus demselben Mund, in dem sie sieben Jahre lang nichts gewesen ist. Sie kommt aus derselben Kehle, die sie nie benutzt hat.

Martha starrt auf ihre Hände. Sie sind schmutzig. Sie hat sich nie die Hände gewaschen, weil niemand ihr gesagt hat, dass sie es tun soll. Jetzt sieht sie, dass sie schmutzig sind, und sie will, dass sie sauber sind.

„Mama.“

Die Stimme ist nicht mehr zu stoppen. Sie ist nicht mehr nur in ihrem Kopf. Sie ist in der Zelle. Sie ist in den Wänden. Sie ist in ihrem eigenen Atem.

Martha atmet tief ein. Die Nachtluft ist kühl. Sie atmet aus. Langsam. Die Stimme kommt mit, als gehöre sie zu ihr.

„Mama.“

Sie sagt es noch einmal. Leiser diesmal. Aber es ist ihr Wort. Es ist das erste Wort, das sie seit sieben Jahren gesagt hat. Und es ist das letzte, das sie je wieder sagen wird.

Szene 2: Der Hof und die Frage

Lotte findet Martha nicht im Zimmer. Nicht im Bett. Nicht am Fenster. Also geht sie auf den Hof.

Die Tür zum Hof ist immer verschlossen, aber sie hat einen Schlüssel. Einer von vielen, die sie hat, ohne zu wissen, warum. Sie steckt ihn ins Schloss, dreht ihn, drückt die Tür auf.

Kälte schlägt ihr entgegen. Nicht winterlich, aber auch nicht mild. Eine Art Zwischenzeit-Kälte, die in den Knochen bleibt. Der Hof ist ein langer, schmaler Streifen zwischen zwei Flügeln des Hospitals. In der Mitte: ein Brunnen. Trocken. Seit einem Jahr. Seit die Brunnen versiegten, weil niemand mehr Wasser brauchte.

Martha sitzt auf einer Bank. Nicht auf der, die für Besucher ist. Sondern auf der, die niemand nutzt. Sie trägt immer noch das Nachthemd. Im Freien. Bei Nacht. Lotte weiß, dass das nicht erlaubt ist. Aber sie sagt nichts.

„Du hast also doch gesprochen.“

Martha hebt den Kopf. Ihr Haar ist strähnig, das Gesicht blass. Aber ihre Augen — die sind wach. Als hätte etwas in ihr angefangen, das nicht mehr stillsteht.

„Was hast du gesagt?“

Martha zögert. Sie beißt auf ihre Unterlippe. Dann sagt sie:

„Mama.“

Lotte spürt, wie ihr der Atem stockt. Nicht, weil es ein Schock ist. Sondern weil es richtig ist. Als hätte sie gewusst, dass es so kommen würde, ohne zu wissen, wie.

„Warum jetzt?“

Martha zuckt mit den Schultern. Eine kleine, mechanische Bewegung, als wäre es eine Frage, die sie schon tausendmal gehört hat, ohne eine Antwort zu haben.

„Keine Ahnung.“

„Hast du Angst?“

Martha lacht. Kurz. Bitter.

„Nein.“

Lotte mustert sie. Die Bank ist kalt. Marthas Haut hat rote Flecken. Aber sie zittert nicht.

„Willst du, dass ich es anderen sage?“

Martha schaut sie an. Nicht misstrauisch. Nicht verächtlich. Sondern als würde sie überlegen, ob das eine gute Idee ist.

„Wem?“

„Den Ärzten. Kluge. Clara.“

„Warum?“

„Weil du jetzt sprichst.“

„Und?“

„Und das ist nicht normal.“

Martha steht auf. Langsam. Als würde sie überlegen, ob sie das darf.

„Wer sagt das?“

„Die Ärzten.“

„Die Ärzten sagen vieles.“

Lotte atmet aus. Sie hätte erwartet, dass Martha Widerstand leisten würde. Oder Angst haben würde. Aber sie steht nur da. Wartet.

„Was willst du, Martha?“

Martha kommt näher. Nicht bedrohlich. Nur nah genug, damit Lotte ihr ins Gesicht sehen kann.

„Dass du mir zuhörst.“

Lotte erstarrt. Nicht, weil die Worte gefährlich sind. Sondern weil sie richtig sind. Als hätte Martha gewusst, was Lotte braucht, bevor Lotte es selbst wusste.

„Und dann?“

Martha zögert. Dann sagt sie:

„Dann rede ich weiter.“

Lotte schaut sie an. Die Nacht ist still. Der Brunnen ist trocken. Irgendwo in der Ferne hört man ein Auto. Einmal. Zweimal. Dann Stille wieder.

„Und was, wenn sie dich wieder wegnehmen?“

Martha lächelt. Nicht freundlich. Nicht traurig. Nur — da.

„Dann rede ich weiter.“

Lotte spürt, wie sich etwas in ihr löst. Nicht ganz. Nicht für immer. Aber ein bisschen.

„Okay.“

Martha nickt. Dann geht sie zurück zur Bank. Setzt sich hin. Schaut in den Himmel, als würde sie dort eine Antwort suchen.

Lotte bleibt stehen. Sie weiß nicht, was sie jetzt tun soll. Aber sie weiß, dass sie gehen darf.

Oder nicht.

Sie bleibt.

Szene 3: Claras Konfrontation

Die Tür zu Zelle sieben lässt sich nicht mehr so leicht öffnen. Clara spürt den Widerstand des Schlosses, das sich weigert, nachzugeben. Sie dreht den Schlüssel, einmal, zweimal — dann gibt er nach, und die Tür knarrt auf. Drinnen liegt Martha. Nicht auf dem Bett. Sondern auf dem Boden. Die Hände hinter dem Kopf verschränkt, die Augen offen.

„Guten Morgen“, sagt Clara.

Martha sagt nichts. Sie atmet nur. Langsam. Als würde sie warten.

„Du weißt, warum ich hier bin.“

Martha hebt den Kopf. Nicht neugierig. Nicht ängstlich. Nur — da.

„Weil Sie neugierig sind.“

Clara zögert. Sie hätte erwartet, dass Martha das leugnen würde. Oder wütend sein würde. Aber sie klingt nur … müde.

„Und weil ich Lotte gesagt habe, sie soll dir helfen.“

„Lotte.“ Martha schließt die Augen. „Die mit den Briefen.“

„Ja.“

„Sie hat mir gesagt, ich soll schweigen. Aber ich will nicht mehr schweigen.“

Clara kniet sich neben sie. Der Boden ist kalt. Unbequem. Aber Martha rührt sich nicht.

„Warum jetzt?“

Martha öffnet die Augen wieder. Sie sind dunkel. Fast schwarz.

„Weil es Zeit ist.“

„Zeit für was?“

Martha lächelt. Nicht freundlich. Nicht traurig. Nur — als hätte sie die Antwort schon lange gewusst.

„Dass Sie aufhören, Fragen zu stellen, die Sie nicht beantworten wollen.“

Clara erstarrt. Nicht, weil die Worte gemeint sind. Sondern weil sie richtig sind. Als hätte Martha gewusst, was in Clara steckt, bevor Clara es selbst wusste.

„Was meinst du?“

Martha setzt sich auf. Langsam. Als würde sie überlegen, ob sie das darf.

„Sie fragen sich, warum wir stumm sind. Aber Sie fragen sich auch, ob Sie die Antwort wirklich hören wollen.“

Clara sagt nichts. Sie kann nicht.

„Und Sie haben Angst, dass wir Sie anschreien.“

Clara zuckt zusammen. Nicht, weil Martha laut geworden wäre. Sondern weil sie richtig liegt.

„Das ist nicht wahr.“

„Doch.“ Martha steht auf. Langsam. Als würde sie überlegen, ob sie das darf.

„Sie kommen hierher und fragen, als wäre es ein Rätsel. Als wäre es ein Spiel. Aber es ist kein Rätsel. Es ist ein Schrei. Und Sie haben Angst, dass wir ihn hören.“

Clara sagt nichts. Sie kann nicht.

„Und Lotte —“ Martha zögert. „— Lotte hat Angst, dass wir sie anschreien. Weil sie die Briefe schreibt, die niemand lesen soll. Weil sie weiß, dass wir die Wahrheit sagen. Und sie weiß, dass sie es nicht mehr ertragen kann.“

Clara steht auf. Langsam. Sie fühlt sich unwohl. Nicht, weil Martha das gesagt hat. Sondern weil sie richtig ist.

„Was willst du von mir, Martha?“

Martha kommt näher. Nicht bedrohlich. Nur nah genug, damit Clara ihr ins Gesicht sehen kann.

„Dass Sie aufhören, zu fragen, als wäre es ein Spiel.“

Clara sagt nichts. Sie kann nicht.

„Dass Sie zuhören.“

Martha geht zur Tür. Langsam.

Ende

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