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Chapter 3 Revised 1,608 Words

Die Gastin, die ich nie war — Die Gastin erscheint — Lena erkennt, dass das Hotel Gäste hat, die nicht dort sein sollten.

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Die Haut, die das Licht trinkt Kapitel 3 – Szene 1

Lena erwacht mit dem Gefühl, als hätte jemand ihren Schlaf mit den Fingern zerrissen.

Die Decke ist kalt unter ihren Händen, aber nicht unangenehm. Sie ist schwer, weich, als wäre sie aus Stoff und Knochen zugleich. Lena versucht, sich aufzusetzen, doch ihr Körper gehorcht nicht. Nicht sofort. Sie liegt da, die Augen noch zu, und hört ein Geräusch, das nicht von ihr kommt.

Ein leises, rhythmisches Schaben. Wie ein Nagel, der über Holz fährt. Oder wie Finger, die eine Sehne zupfen.

Jemand atmet.

Sie öffnet die Augen.

Das Zimmer ist dunkel, aber nicht finster. Licht fällt durch Ritzen in den Vorhängen, thinne Streifen, die die Wände in Streifen teilen. Die Muster an den Wänden — wie sie es in der Nacht gesehen hat — sind noch da. Aber jetzt, bei Tage, sehen sie anders aus. Die Linien verschieben sich, wenn sie nicht direkt hinschaut, als würden sie sich weigern, starr zu bleiben. Als würden sie atmen.

Und dann sieht sie die Frau.

Sie sitzt auf der Bettkante, die Beine unter sich gekreuzt, die Hände im Schoß. Sie trägt ein Kleid, das Lena noch nie gesehen hat — ein dunkles, fließendes Ding, das an wasserähnlichen Mustern hängen bleibt, als würde es im Licht glitzern. Ihr Haar ist zu einem Knoten gebunden, aber einige Strähnen sind entkommen und fallen ihr ins Gesicht. Sie schaut Lena an, ohne zu blinzeln.

Lena will aufschreien, aber kein Ton kommt. Nicht einmal ein Keuchen. Sie starrt die Frau an, und plötzlich erkennt sie sie. Nicht aus dem Gesicht. Aus den Augen. Aus der Art, wie sie das Licht trinkt, als wäre es Wasser.

Du.

Die Frau lächelt. Nicht freundlich. Nicht unfreundlich. Nur so, als hätte sie etwas gewusst, das Lena nie erfahren würde.

Ich habe dich schon immer gesehen, sagt sie.

Lena versucht, ihre Lippen zu bewegen. Sie will etwas sagen, irgendetwas — eine Frage, eine Beschuldigung, einen Schrei. Aber ihre Stimme ist weg. Weg wie immer. Nur dass jetzt etwas anderes da ist. Etwas, das sich anfühlt wie eine leere Höhle, gefüllt mit dem Echo einer anderen Person.

Die Frau beugt sich vor. Ihre Stimme ist leise, fast sanft.

Weißt du, warum du hier bist?

Lena schüttelt den Kopf. Oder will es tun. Ihr Körper gehorcht nicht. Nicht vollständig.

Weil du mich gerufen hast, sagt die Frau. Genau wie die anderen.

Sie zeigt auf die Wand. Auf das Muster, das sich jetzt schneller bewegt, als könnte Lena es nicht mehr ignorieren. Die Linien krümmen sich, verdrehen sich, formen etwas, das wie ein Gesicht aussieht — oder wie ein Schrei, der sich in die Wand fraß.

Lena will wegschauen. Sie will sich abwenden, weglaufen, irgendetwas tun. Aber ihr Körper ist schwer, als würde er sie festhalten. Nur ihre Augen bewegen sich. Sie starren die Frau an, die immer noch lächelt.

Du wirst bald verstehen, sagt sie. Alle verstehen es irgendwann.

Dann steht sie auf. Das Kleid bewegt sich wie Wasser um sie herum, als würde es sich weigern, an ihr festzuhalten. Sie geht zur Tür, bleibt stehen, dreht sich um.

Schlaf gut, Lena, sagt sie. Es wird bald Morgen sein.

Die Tür schließt sich hinter ihr. Nicht mit einem Knall. Nicht mit einem leisen Klicken. Die Tür schließt sich, als würde sie sich von selbst zuziehen, als gäbe es keine Klinge, die sie aufhalten könnte.

Lena liegt da. Ihre Hände zittern. Sie will aufstehen. Sie will schreien. Sie will etwas tun.

Aber sie kann nichts.

Und dann, ganz leise, hört sie die Stimme wieder.

Du hörst mich noch nicht mehr.

Und sie versteht.

Sie versteht, dass sie nicht allein ist.

Sie versteht, dass das Hotel sie nicht lassen wird.

Und sie versteht, dass die Frau — die Gastin — sie schon immer gesehen hat.


Die Gastin und die Türen, die sich von selbst schließen

Lena steht im leeren Speisesaal, die Hände um den Rand des runden Tisches geklammert. Das Holz ist kalt, fast feucht unter ihren Fingerspitzen. Sie sollte hier nicht sein. Sie sollte schon lange weg sein, zurück in ihr Archiv, zurück in das Leben, das sie noch hatte, bevor sie dieses Blatt berührte.

Doch die Türen – alle Türen – führen zurück hierher.

Sie geht zur Tür am Ende des Raums. Sie ist offen. Sie sollte hindurchgehen können. Sie sollte einfach gehen, weg, irgendwohin. Doch als sie die Hand hebt, um den Türgriff zu berühren, zittert sie. Nicht aus Kälte. Aus etwas anderem.

Du hast mich gerufen.

Die Stimme kommt von irgendwo hinter ihr, leise, fast spielerisch. Lena dreht sich nicht um. Sie weiß, wer da spricht. Sie hat es schon immer gewusst.

Sie geht durch die Tür. Der Flur ist lang, die Wände mit demselben Muster bedeckt, das sich nie ganz gleich bleibt. Die Linien verschieben sich, als würden sie atmen. Als würden sie etwas beobachten.

Am Ende des Flurs ist eine weitere Tür. Auch offen. Auch eine Einladung.

Du wirst bald verstehen.

Lena bleibt stehen. Ihre Finger krallen sich in den Stoff ihres Kleides. Sie sollte weitergehen. Sie sollte herausfinden, wo diese Türen hinführen. Aber etwas hält sie zurück. Nicht die Angst. Nicht die Stimme. Etwas Kälteres.

Die Tür beginnt sich zu schließen.

Langsam. Fast zärtlich. Als würde sie sich selbst zudrücken, als gäbe es keine physische Kraft, die sie bewegt.

Lena starrt die Tür an. Sie will schreien. Sie will rennen. Sie will etwas tun. Aber sie kann nichts.

Die Tür schließt sich vollständig. Kein Klicken. Kein Knarren. Nur das leise, beständige Geräusch, als würde sie sich in etwas weichere Material verschieben.

Schlaf gut, Lena.

Die Stimme ist jetzt direkt hinter ihr. Lena dreht sich um. Die Frau steht da, lächelt, das Kleid wie flüssiges Dunkel um sie herum.

Es wird bald Morgen sein.

Die Frau geht zur nächsten Tür. Auch sie schließt sich langsam, als würde sie sich von selbst zuziehen. Lena will ihr folgen. Sie will sie anfassen. Sie will etwas — irgendetwas — sagen.

Aber ihre Stimme ist weg. Wie immer.

Und dann, als die letzte Tür sich schließt, versteht Lena:

Das Hotel hat keine Ausgänge.

Es hat nur Türen, die sich von selbst schließen.


Die Haut, die das Licht trinkt Kapitel 3 – Szene 1

Die Treppe war nicht mehr da, als Lena die Augen aufschlug. Stattdessen lag sie auf einem Teppich, der sich wie Wasser unter ihren Händen bewegte. Kein Muster, keine Fasern — nur eine sanfte, sich ständig verschiebende Oberfläche, als würde sie auf etwas schwimmen, das sich weigerte, fest zu werden.

Sie setzte sich auf. Ihre Hände waren blass, fast durchscheinend, als hätte das Hotel sie schon ein Stück von sich absorbiert. Sie rieb über die Teppichfläche. Nichts blieb hängen. Nicht Staub. Nicht Fäden. Nur das Gefühl, dass etwas sie beobachtete.

Die Wirtin stand am Ende des Flurs. Sie trug heute kein Kleid. Keine Buchseiten. Nur ein langes, weißes Hemd, das bis zu ihren Füßen reichte. Die Ärmel waren eng, als würde sie sie irgendwo festhalten. Ihr Haar war zurückgebunden, doch einige Strähnen hingen wie nasse Seide an ihren Schläfen.

Du schaust schon wieder.

Lena zuckte zusammen. Die Stimme kam nicht aus dem Mund der Wirtin. Sie kam von überall.

Du denkst, ich bin die Wirtin. Aber ich bin nicht sie.

Die Wirtin lächelte nicht. Sie beugte sich nur leicht vor, als würde sie etwas vom Boden aufheben. Als Lena genauer hinsah, erkannte sie, dass es keine Füße waren. Die Wirtin schwebte. Nicht wie ein Vogel. Nicht wie eine Wolke. Sie schwebte, als würde sie sich durch etwas bewegen, das sie nicht berührte.

Es gibt keine Spiegel hier. Aber das ist egal. Du siehst dich trotzdem.

Lena stand auf. Ihre Beine gehorchten ihr, auch wenn sie das Gefühl hatte, sie würden sie nicht tragen. Sie ging einen Schritt. Dann noch einen. Die Wirtin bewegte sich nicht. Sie wartete.

Willst du wissen, was ich bin?

Lena blieb stehen. Sie wollte nicht. Sie wollte das Zimmer verlassen. Sie wollte nach Hause. Sie wollte ihre Stimme zurück.

Du hast mich schon einmal gesehen. Im Spiegel.

Die Wirtin hob eine Hand. Nicht wie zum Gruß. Wie zum Zeigen. Und dann, langsam, als würde sie durch etwas Zähes greifen, zog sie etwas aus der Luft.

Ein Blatt. Nicht wie Papier. Es war durchsichtig, fast wie eine Haut, die das Licht durchließ. Darauf stand eine Zeile, die sich veränderte, während Lena zuschaute:

„Wenn du dieses Wort liest, bin ich schon tot.“

Lena riss die Augen auf. Das war das Blatt. Das, das sie im Archiv gefunden hatte.

Es hat dich schon einmal besucht. Jeden Tag, seit du hier bist.

Die Wirtin legte das Blatt zurück in die Luft, als würde sie es fallen lassen. Es verschwand nicht. Es blieb da, schwebend, als wäre es an nichts gebunden.

Du fragst dich, warum du hier bist. Warum du deine Stimme verloren hast. Warum du mich hörst.

Lena wollte etwas sagen. Aber sie konnte nicht. Ihre Lippen bewegten sich, doch kein Ton kam heraus.

Weil du mich gerufen hast.

Die Wirtin trat einen Schritt näher. Ihre Füße berührten den Boden nicht mehr. Sie schwebte jetzt vollständig.

Du denkst, das war ein Traum. Aber Träume haben keine Türen, die sich von selbst schließen. Träume haben keine Treppen, die sich auflösen. Träume haben keine Wirtinnen, die dich beobachten.

Lena wollte fliehen. Sie wollte schreien. Sie wollte etwas tun. Aber sie konnte nichts.

Du wirst bald verstehen. Bald wirst du sehen, was ich sehe. Bald wirst du hören, was ich höre.

Die Wirtin streckte eine Hand aus. Langsam. Fast zärtlich. Als würde sie etwas berühren, das ihr gehörten.

Schlaf gut, Lena. Es wird bald Morgen sein.

Und dann, ganz leise, hört Lena die Stimme wieder.

Du hörst mich noch nicht mehr.

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