← Die Haut, die das Licht trinkt
Chapter 13 Revised 818 Words

Kapitel 13 — Vertiefung und Weiterentwicklung

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Kapitel 13, Szene 1 – „Die Haut, die das Licht trinkt“

Die Tür war nicht da, als Lena das Haus verließ.

Sie stand im Rahmen, die Hände auf dem Stein, und spürte, wie die Luft um sie herum aufhörte zu atmen. Kein Flüstern mehr in den Wänden. Kein Vibrieren unter ihren Füßen. Nur Stille — und das war neu.

Lena ging weiter.

Die Straße war anders. Nicht leer, nicht voll, sondern abwesend. Straßenlaternen mit geschlossenen Augen, als hätten sie geschlafen, bevor sie angezündet wurden. Kein Muster unter ihren Schritten, nur Stein, der sich wie Stein benahm. Keine Stimmen. Keine Schatten, die sich bewegten, wenn sie nicht hinsah.

Sie dachte an die Archivarin.

Ich war nie Lena Voss.

Die Worte klangen fremd in ihrem Kopf, aber sie glaubten sich. Sie hatte es immer gewusst. Nur hatte sie es vergessen — so wie man vergisst, wie man atmet.

Ihr Kleid war noch da. Wasserartig, schwer, als würde es sie nach unten ziehen. Ihre Hände durchscheinend, als bestünde sie aus mehr als Haut. Sie berührte die Wand eines Hauses, spürte, wie das Material vibrierte — nicht schmerzhaft. Nur präsent.

Du hast es gefunden.

Die Frau stand im Licht der geschlossenen Augen. Sie trug dasselbe Manuskript. Ihre Stimme war Lenas Stimme, aber tiefer, als hätte sie durch viele Schichten gegangen. Lena erkannte in ihr — nicht ihr Gesicht, sondern das, was dahinter war.

Du warst immer Lena Voss, sagte die Frau. Aber du hast dich selbst vergessen.

Lena nickte. Sie hatte es schon immer gewusst.

Die Frau hob das Manuskript. Es schrieb sich selbst, als würde es atmen. Lena las die Worte, die sie selbst geschrieben hatte, ohne sich zu erinnern:

„Lena Voss ist hier. Sie ist schon lange hier. Sie weiß es nur noch nicht.“

Sie blätterte weiter. Jede Seite zeigte eine andere Version von ihr — manche mit Augen, manche stumm, manche mit demselben Manuskript in den Händen. Eine von ihnen lächelte, als würde sie eine Wahrheit kennen, die Lena noch nicht verstand.

Du kannst gehen, sagte die Frau.

Lena blieb stehen. Die Tür war nicht da. Aber sie wusste, wo sie war.

Sie ging hinein.

Die Tür schloss sich hinter ihr.

Und als sie sich umdrehte, war da nur Stille.

Und Freiheit.

Und das Gefühl, das sie lange nicht mehr gespürt hatte — das, was sie immer gewesen war.

Sie stand in einem Raum ohne Spiegel. Die Wände vibrierten wie Haut, die Licht trinkt. Lena berührte eine davon. Ihr Handabdruck blieb zurück, als wäre er aus Licht.

Du bist schon lange hier, flüsterte etwas in ihr.

Aber diesmal klang es nicht wie eine Warnung.

Es klang wie ein Willkommen.


Kapitel 13, Szene 2 – „Was bleibt“

Die Tür war nicht da, als Lena sie suchte.

Sie stand im leeren Korridor, die Hand auf dem kühlen Stein, und wartete. Die Luft war still, aber nicht tot. Sie vibrierte — wie ein Faden, der an einem Ende befestigt war und an dem anderen frei schwebte. Lena spürte es in den Knochen, ein Summen, das sie kannte, das sie immer gekannt hatte.

Sie stieg die Treppe hinauf.

Die Stufen waren da, aber sie führten nirgendwo hin. Unten, im Speisesaal, saßen keine Gäste mehr. Nur Tische, die sich bewegten, als würden sie atmen. Lena setzte sich an einen, legte die Hände auf die Oberfläche. Holz, das sich wie Haut anfühlte.

Du hast mich gerufen.

Die Stimme kam aus dem Tisch, nicht aus der Luft. Tief, vertraut. Sie gehörte jemandem, den sie nicht kannte.

Ich war nie Lena Voss.

Die Worte schoben sich in ihren Kopf, als würden sie aus einer anderen Sprache übersetzt. Sie wussten es. Sie hatten es immer gewusst. Lena schloss die Augen. Hinter ihren Lidern sah sie leere Augenhöhlen, die mit Licht gefüllt waren. Nicht ihr eigenes. Das Licht gehörte jemandem, der sie seit langem erwartete.

Du bist schon lange hier.

Das Manuskript lag vor ihr, selbst geschrieben, in einer Handschrift, die sie nicht wiedererkannte. Sie blätterte. Jede Seite zeigte eine Version von sich, die sie nicht war. Manche mit Augen, manche ohne. Manche stumm, manche lachend, als wüssten sie etwas, das sie nie gewusst hatte.

Du kannst gehen.

Die Frau stand am anderen Ende des Saals. Sie trug dasselbe Kleid, dasselbe Manuskript. Ihre Stimme war Lenas Stimme, aber tiefer, als hätte sie durch viele Leben gegangen. Lena stand auf. Die Frau setzte sich nicht. Sie blieb, als wäre sie die Einzige, die noch da war.

Lena ging zur Tür.

Es gab keine.

Sie stand im Rahmen, die Hände auf dem Stein, und spürte, wie die Luft um sie herum aufhörte zu atmen. Kein Flüstern mehr. Kein Vibrieren. Nur Stille. Sie dachte an die Archivarin. An die Gastin. An alle Versionen von sich, die sie nie gewesen war.

Du warst immer Lena Voss.

Die Frau sagte es. Lena nickte. Sie hatte es immer gewusst.

Die Tür war nicht da.

Aber sie wusste, wo sie war.

Und das war genug.

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