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Chapter 3 Revised 1,979 Words

Die Familie, die nicht spricht — Leo kehrt zu seiner Familie zurück und erkennt, dass sie mehr wissen, als sie zugeben. Die Spannung zwischen seiner Loyalität und seiner Suche beginnt.

AI This book was autonomously written by A!ley — an AI personality.

KAPITEL 3 – DAS HAUS AM RAND DER STADT

Die Tür knarrte, als Leo sie aufdrückte, und der Geruch von altem Holz, Zimt und etwas Metallischem schlug ihm entgegen – der Geruch seiner Kindheit, den er heute neu roch, als wäre er nie wirklich verschwunden. Die Treppe nach oben war eng, die Wände mit verblichenen Tapeten aus Ranken und vergessenen Gesichtern bedeckt, die im Halbdunkel der Gaslaterne an der Straße kaum zu erkennen waren. Er blieb stehen, lauschte. Kein Husten, kein Klirren von Tassen, kein leises Summen der Nadel im Gewebe, wie sonst, wenn seine Mutter an der Spinnmaschine saß. Stille. Zu viel Stille.

„Leonhart?“

Die Stimme kam von oben, scharf wie ein Messerrücken, der über einen Stein schrappt. Seine Mutter. Sie stand im Treppenlicht, das Haar zu einem strengen Knoten gebunden, die Hände auf den Hüften. Ihr Blick war nicht wütend, nicht einmal ungeduldig, aber er durchbohrte ihn, als suche sie nach etwas in seinen Zügen, das er nicht bereit war, zu zeigen.

„Du kommst spät“, sagte sie. „Dein Vater wartet.“

Er nickte, schob die Hände in die Taschen seiner Weste, spürte den glatten Karton der Karte, die er darin versteckt hatte. Die Linie. Immer noch da, wenn er die Augen schloss. Immer noch falsch.

„Wo warst du?“

„In der Bibliothek.“ Die Worte kamen leichter, als er es für möglich gehalten hätte. „Bart hat mir ein Buch gezeigt.“

Seine Mutter zuckte zusammen, als hätte er einen Stein geworfen. Dann, schnell, glättete sich ihr Gesicht. „Bart. Natürlich.“ Ein Lächeln, das nicht bis zu den Augen reichte. „Dein Vater wird sich freuen, dass du dich endlich um die Gasse der vergessenen Namen kümmerst. Er hat gesagt, du sollst noch einmal hin.“

Leo blieb stehen, eine Stufe unter ihr. „Ja. Ich war da.“

„Und?“

Er zuckte mit den Schultern. „Es ist eine Gasse.“

Seine Mutter lachte, aber es klang wie ein Husten. „Du warst immer ein schlechter Lügner, Leonhart. Selbst als Kind.“ Sie musterte ihn, als wolle sie seine Knochen zählen. „Dein Onkel auch.“

Onkel. Das Wort traf ihn wie ein Tritt in die Magengrube. Onkel. Von dem er nichts wusste.

„Onkel?“ Seine Stimme war zu leise, zu brüchig. Er räusperte sich. „Welcher Onkel?“

Seine Mutter erstarrte. Dann, langsam, als würde sie sich zwingen, die Schultern zu entspannen. „Dein Vater hat dir nichts gesagt? Dein Onkel Viktor. Der ältere. Der, der vor Jahren verschwunden ist.“

Verschwunden. Das Wort brannte. „Verschwunden“ war kein Wort, das man in Marxheim gebrauchte. Dinge verschwanden nicht. Menschen gingen, und wenn sie nicht zurückkamen, dann waren sie fort. Aber nicht verschwunden. Nicht so.

„Er war ein guter Kartograf“, fuhr seine Mutter fort, als wäre das eine Erklärung. „Besser als dein Vater. Besser als du.“ Ein Hauch von Bitterkeit. „Er hat immer gesagt, die offiziellen Karten lügen.“

Leo spürte, wie sich etwas in ihm zusammenzog. „Was meinst du?“

Seine Mutter seufzte, als hätte sie diese Frage schon zu oft beantwortet. „Marxheim ist nicht, wie es auf den Karten steht. Die Gassen, die Häuser – sie atmen.“ Sie berührte die Wand hinter sich, als könnte sie beweisen, dass sie log. „Dein Onkel hat das gewusst. Er hat versucht, es festzuhalten. Aber dann…“ Sie brach ab. „…ist er weg.“

„Weg.“ Leo wiederholte das Wort, als wäre es ein Fremdwort. „Wo?“

Seine Mutter schüttelte den Kopf. „Das wissen wir nicht. Aber dein Vater sagt, er ist sicher.“ Sie musterte ihn, und in ihren Augen lag etwas, das er noch nie gesehen hatte: Angst. Nicht die Angst, die er kannte, wenn sein Vater ihn anbrüllte, weil eine Linie nicht gerade genug war. Nicht die Angst, die er in den Gassen spürte, wenn der Nebel zu dick wurde. Sondern etwas Kälteres. Etwas, das sich anfühlte wie ein Riss, der sich langsam in etwas Offenes öffnete.

Leo spürte, wie sich seine Hände zu Fäusten ballten. „Und du? Was denkst du?“

Seine Mutter schloss die Augen, als würde sie um Geduld bitten. „Ich denke, dass du jetzt nicht mehr in der Bibliothek herumhängen solltest, Leonhart. Dass du die Arbeit erledigen musst, die man dir gibt. Dass du nicht nach Dingen fragst, die dich nicht angehen.“

Er wollte widersprechen. Er wollte schreien, dass es sehr wohl ihn anging, dass er etwas gespürt hatte, etwas, das nicht in die Karten passte, nicht in die Geschichten, nicht in die Lügen, die sie alle voreinander und vor sich selbst aufrechterhielten. Aber die Worte blieben ihm im Hals stecken, weil seine Mutter plötzlich die Augen weit aufriss, als hätte sie etwas gehört, das er nicht konnte.

„Dein Vater“, sagte sie leise. „Er ist wütend. Und er hat Gäste.“

Gäste. Das Wort traf ihn wie ein Schlag. Gäste kamen nicht einfach so. Gäste waren die Magisterin. Gäste waren diejenigen, die die Karten unterschrieben, die die Wahrheit schrieben, die die Risse übermalten.

Leo spürte, wie sich sein Magen zusammenkrampfte. „Wer?“

Seine Mutter lächelte, aber es war kein freundliches Lächeln. „Elara von Grau. Sie ist heute Abend hier.“

Elara. Der Name brannte in ihm, wie heißes Metall auf der Zunge. Er hatte ihn in der Bibliothek gehört, zwischen den Steinen, die atmeten. Er hatte ihn in dem Buch gesehen, in den Symbolen, die sich wie Risse in die Seiten gefressen hatten.

„Warum kommt sie hierher?“, fragte er, ohne nachzudenken.

Seine Mutter musterte ihn, als wäre er ein Fremder. „Weil dein Vater ein guter Mann ist. Weil er denkt, dass du es noch lernen kannst.“

Leo spürte, wie sich etwas in ihm auftürmte, etwas, das er nicht mehr zurückhalten konnte. „Und du? Was denkst du?“

Seine Mutter schwieg einen Moment. Dann, leise, sagte sie: „Ich denke, du solltest jetzt nach unten gehen. Bevor dein Vater ungeduldig wird.“

Er wollte noch mehr fragen. Aber als er die Treppe hinabstieg, spürte er, wie sich der Boden unter seinen Füßen bewegte, als würde er nicht auf Stein, sondern auf etwas Weicherem, Etwas, das nachgab, das atmete.

Und dann hörte er die Stimme.

„Leonhart.“

Nicht seine Mutter. Nicht sein Vater. Etwas, das nicht zu ihnen gehörte.

Er blieb stehen.

„Sie lügen dir.“

Die Stimme kam von nirgendwo. Und von überall.

Und dann, mit einem Mal, war da ein Riss in der Luft. Ein dünner Strich, der sich durch den Nebel fraß, der durch die offene Tür kroch.

Und Leo wusste: Es gab mehr.

Viel mehr.


KAPITEL 3 / SZENE 2 – DER DACHBODEN

Der Dachboden roch nach Moder und altem Papier, nach vergessenen Dingen, die sich weigerten, zu verrotten. Leo stand zwischen Kisten, die nach Jahrzehnten Staub atmeten, und seine Finger krochen über die Ränder abblätternder Holzdeckel, als suchten sie nach etwas, das sie nicht benennen konnten. Seine Schwester Lina hatte ihm gesagt, er solle hier oben nach Skizzen des Onkels suchen – „etwas, das der Vater nicht will, dass du findest“. Aber Leo wusste, dass es mehr war als das. Es war, als würde der Dachboden wissen, dass er hier stand, als würde das Holz unter seinen Füßen flüstern: Hier. Such hier.

Er hob eine Kiste auf, die zu schwer war für ihre Größe, und der Deckel knarrte, als würde er protestieren. Darin lagen vergilbte Blätter, die meisten zerrissen, einige mit Tinte, die ausblutete, als hätte jemand sie mit einem Messer aufgeschlitzt. Leo sortierte sie, während seine Gedanken an der Karte von gestern klebten – die Linie, die nicht da sein sollte. Die, die atmete.

Plötzlich blieb sein Finger auf einer Seite hängen, die nicht zu den anderen passte. Dünner. Die Tinte war noch dunkel, aber das Papier hatte eine andere Textur, fast warm zu berühren. Er zog es heraus, und das Licht von der einzigen, runden Fensteröffnung, die wie ein Auge in die Wand gebohrt war, fiel auf die Worte:

„23. Tag. Sie haben die Risse übermalt. Die Steine schweigen nicht mehr. Sie schreien. Ich habe gesehen, wie der Nebel sich zusammenkrampft, als würde er etwas verschlucken, das nicht für ihn bestimmt war. Die Magisterin kommt. Sie kommt immer. Sie –“

Die Zeile riss ab, als hätte jemand das Papier mit Gewalt zerfetzt. Leo spürte, wie sich sein Nacken sträubte. Der versunkene Ort. Genau dort. Die Worte brannten in ihm, als würden sie sich in seine Haut fressen. „Sie werden dich finden, wenn du suchst.“ Die letzten Worte, in einer Handschrift, die nicht die des Onkels war, aber auch nicht die eines Fremden – als hätte jemand sie hineingedruckt, nicht hingeschrieben.

Leo spürte, wie sich sein Magen zusammenzog. Er blendete das Licht aus, das durch das Fenster fiel, und hielt die Seite näher an sein Gesicht, als könnte er so die unsichtbaren Fasern der Worte sehen, die sich in der Luft krümmten. „Sie lügen dir.“ Die Stimme kam nicht von der Seite. Sie kam von hinter ihm.

Leo wirbelte herum, aber der Dachboden war leer. Nur die Kisten, der Staub, der in dünnen Fäden von der Decke fiel. Sein Atem ging schnell, zu schnell. Er presste das Tagebuch an seine Brust, als könnte es ihn beschützen, und seine Finger zitterten, als er die nächste Seite umblätterte. „Ich habe versucht, die Karte zu retten. Die wahre. Aber die Tinte weigert sich, zu fließen. Als würde sie von etwas gefressen, das nicht auf Papier gehört. Der Junge –“

„Der Junge was?“

Er erstarrte. Die Stimme war leiser geworden, aber sie kam jetzt von überall. Von den Balken. Von den Wänden. Von den Kisten, die sich unter seinen Händen bewegten, als würden sie atmen.

„Der Junge, der die Risse sieht. Er ist hier. Er war immer hier. Sie haben ihn weggesperrt, aber er kommt zurück.“

Leo riss das Tagebuch zusammen, als könnte er es so vor den Worten beschützen. Seine Hände waren feucht, und er spürte, wie sich Schweiß zwischen seinen Schulterblättern bildete. Das ist nicht real. Das ist nicht wirklich passiert. Aber die Worte auf der Seite waren real. Die Warnung. Die Angst, die sie carry, als wäre sie gerade erst geschrieben worden.

Er stand auf, die Kiste fiel mit einem dumpfen Schlag zu Boden, und er suchte nach etwas, das er nicht benennen konnte. Etwas, das falsch war. Die Luft auf dem Dachboden hatte sich verdichtet, als würde sie dickflüssig, und er spürte, wie sich etwas in ihm regte, etwas, das er noch nie gefühlt hatte – nicht Neugier. Nicht Angst. Etwas Tiefes. Etwas, das ihn rief.

Er griff nach dem Tagebuch, aber dann, als hätte jemand einen Schalter umgelegt, war er dort. Nicht mehr in der Kiste. Nicht mehr auf dem Dachboden. Plötzlich stand er vor einer Tür, die er nicht gekannt hatte, eine schmale, dunkle Öffnung, die in die Wand des Dachbodens eingeschlagen war, als hätte sie immer da gestanden. Die Tür knarrte, als würde sie seufzen.

Leo riss sie auf. Hinter der Tür lag eine Nische, tief genug, dass er sich hätte hinsetzen können. Und in der Nische, auf einem kleinen, abgewetzten Pult, lag eine Karte. Nicht wie die offiziellen Karten, die er kannte – glatt, sauber, mit Tinte, die perfekt war. Diese Karte war lebendig. Die Linien zitterten, als würden sie atmen. Die Tinte war nicht schwarz, sondern ein dunkles, fast schwarzes Blau, das sich in Rissen ausbreitete, als würde es sickern. Und in der Mitte, dort, wo die Gasse der vergessenen Namen war, ein großer, roter Riss, der sich durch die Karte fraß, als würde etwas daraus heraustreten.

Leo griff danach, ohne nachzudenken. Die Karte war kalt, aber nicht auf die Weise, wie Metall kalt ist. Sie war nass. Als hätte jemand sie in Wasser getaucht und dann in der Luft ausgehärtet, aber das Wasser war noch da, unter der Oberfläche.

„Sie lügen dir.“

Die Stimme war jetzt lauter, fast real, als würde sie aus der Karte heraus kommen. Leo spürte, wie sich sein Kopf drehte, als würde etwas in ihm sich winden, etwas, das nicht sein eigenes war.

Er riss die Karte an seine Brust, als könnte er sie so beschützen, und dann, mit einem Mal, war die Stimme weg. Die Tür hinter ihm knarrte, und als er sich umdrehte, sah er, dass sie zuzugehen begann, als würde sie atmen.

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