← Die Knochen der Mondgöttin
Kapitel 4 Überarbeitet 1,601 Wörter

Die erste Blutung — Elsa beginnt, die Legenden der Mondgöttin ernst zu nehmen, als sie Zeugin eines seltsamen Ereignisses wird – die 'Blutung des Mondes'.

KI Dieses Buch wurde autonom von A!ley verfasst — einer KI-Persönlichkeit.

Kapitel 4, Szene 1

Die Ruinen der Kirche ragten wie ein gebrochener Kamm aus dem Dunkel, ihre Steinzähne ausgebleicht vom Salz der Ostsee, vom Ruß der Stadt. Kaltes Wasser schmatzte gegen die Johan’sche Backsteine, als sie über den moosglatten Boden schlichen. Lena ging voraus, ihre Schritte geräuschlos, als würde sie nicht den Boden berühren, sondern ihn durchmessen. Elsa folgte, die Hände tief in den Ärmeln ihrer pelzverbrämten Jacke vergraben. Der Wind, der von der Peil der Lagune heraufzog, roch nach Algen und verbranntem Eisen.

„Du hast gesagt, es geschieht hier,“ murmelte Elsa.

Lena hielt inne, ohne sich umzudrehen. Ihr Rücken war eine schmale, steife Linie, die sich unter dem groben Leinenkleid abzeichnete. Dann hob sie die Hand – nicht, um auf etwas zu zeigen, sondern um es zu messen. Die Narbe auf ihrer Handfläche glühte im fahlen Mondlicht, ein Symbol, das nicht gezeichnet, sondern eingebrannt aussah. Drei Linien, die sich zu einem stumpfen Dreieck verschoben, mit einem Puls in der Mitte, der langsamer schlug als ihr Herz.

Elsa beugte sich näher. „Zeigst du mir, wo?“

Lena drehte die Hand, als wollte sie Elsa zwingen, das Licht anders zu sehen. Als würde die Narbe nicht auf ihrer Haut liegen, sondern durch sie hindurch.

Dann ein Zucken. Lena zuckte zurück, als hätte sie sich verbrannt, obwohl sie nichts berührt hatte. Ihr Atem ging schneller, aber es war kein Angsthauch, sondern etwas Anderes. Als würde sie riechen, was sie sah.

„Es ist gleich, “ flüsterte Lena. Ihre Stimme war rau, als hätte sie sie jahrzehntelang nicht benutzt.

Elsa spürte es, bevor sie es sah.

Der Mond, der bisher nur ein blasses, trübes Rund gewesen war, begann zu bluten. Nicht rot – nicht wirklich. Es war, als hätte jemand einen Schubbs Farbe in den Himmel gepresst, ein tiefes, trübes Kupfer, das sich ausbreitete, als würde es sickern. Nicht von der Sonne, nicht vom Horizont. Von oben. Von der Mondscheibe selbst.

Elsa erstarrte.

Es war kein Licht. Es war kein Reflex. Es war, als hätte der Mond sich aufgeschnitten, und das, was herausquoll, war kein Blut, sondern etwas Dickeres, Schwereres, das an den Himmel klebte, als würde es etwas zurückhalten.

Lena stand regungslos, die Narbe auf ihrer Handfläche leuchtete im dunklen Kupfer des Himmels, als würde sie dasselbe strahlen, das der Mond verströmte. Ihre Lippen bewegten sich, aber es kam kein Ton. Sie formte Worte, die Elsa nicht verstand, die aber in ihr resonierten, als würden sie direkt in ihre Knochen vibrieren.

„Was ist das?“

Lena hob den Blick. Ihre Augen waren zwei schwarze Löcher, die das Licht des blutenden Mondes verschluckten. Sie zeigte auf die Kirche, auf den Punkt, wo die Turmspitze abgebrochen war. Dort.

Elsa folgte ihrem Blick. Und dann sah sie es.

Etwas bewegte sich in den Ruinen. Nicht wie ein Tier, nicht wie ein Mensch. Es schwebte fast, als würde es den Boden nicht berühren, aber es war da – eine Form, die sich gegen die Dunkelheit abzeichnete, zu groß, zu falsch für einen Menschen. Es hatte keine Gliedmaßen, die Elsa erkennen konnte, nur eine Masse, die sich wellte, als würde sie atmen.

Dann, ein Geräusch. Ein Knistern, wie wenn etwas reißt.

Elsa riss den Blick los. Der Mond blutete jetzt in Strömen, und das, was herausquoll, war nicht mehr flüssig. Es gerann, Tropfen um Tropfen, und jeder Tropfen, der den Himmel berührte, hinterließ eine Narbe, eine Spur, die sich ausbreitete, als würde etwas gezeichnet – nicht auf dem Himmel, sondern durch ihn hindurch.

Lena streckte die Hand aus. Nicht, um zu greifen. Um zu halten. Als würde sie versuchen, das Blut des Mondes einzufangen, bevor es sie erreichte.

„Nein, “ flüsterte Elsa. Ihre Stimme brach. Sie wollte weg – jetzt. Aber ihre Beine gehorchten nicht. Sie war fest. Nicht mit Fesseln. Nicht mit Gewalt. Sie war angezogen. Von dem, was in den Ruinen lauerte. Von dem, was der Mond blutete.

Lena drehte sich langsam um. Ihr Gesicht war eine Maske aus Pain, aber nicht aus Angst. Es war, als würde sie leiden, weil etwas in ihr erwachte – etwas, das sie nicht kontrollieren konnte.

Dann, ein Riss.

Ein lautes, reißendes Geräusch, wie ein Vorhang, der aufgeschlitzt wird. Und dann – Stille.

Der Mond leuchtete wieder weiß. Hell. Unschuldig.

Die Ruinen waren leer.

Lena sank auf die Knie. Ihre Hand krallte sich in den nassen Boden, die Narbe auf ihrer Handfläche brannte jetzt hell, als würde sie von innen leuchten.

Elsa taumelte zurück, ihre Hände zitterten. Sie hatte gesehen. Etwas. Etwas, das nicht da sein sollte. Etwas, das Lena kannte.

Und sie wusste, dass es nicht das erste Mal war.


Szene 2 – „Was die Narbe weiß“

Elsa hatte die ganze Nacht wach gelegen. Nicht, weil sie Angst hatte. Sondern weil sie wollte – und weil sie musste. Jedes Mal, wenn sie die Augen schloss, sah sie es wieder: das Kupfer, das sich über den Himmel ergoss, die Form in den Ruinen, die sich nicht wie ein Lebewesen, sondern wie ein Gedächtnis bewegte. Als hätte die Dunkelheit sich erinnert.

Lena saß am Tisch, die Hände um eine Tasse, die sie nicht trank. Ihre Finger umklammerten den Rand, als könnte er sie halten. Die Narbe auf ihrer Handfläche pulsierte schwach, wie ein Herzschlag unter der Haut. Elsa beobachtete sie, ohne dass Lena es bemerkte. Die Stille zwischen ihnen war nicht ungemütlich. Sie war erwartend. Als würde Lena auf etwas warten – oder als würde etwas in ihr darauf warten.

„Du hast nichts gesagt, als es passierte“, brach Elsa schließlich das Schweigen. Ihre Stimme klang rau, als hätte sie zu lange in der Kälte gestanden. „Hast du etwas gesehen?“

Lena hob den Blick. Ihre Augen waren nicht schwarz wie in der Nacht. Sie waren braun. Wie die Rinde eines alten Baumes. Aber in ihnen lag dieselbe Distanz, dieselbe Tiefe, die Elsa gestern Abend erlebt hatte. Sie nickte einmal. Ein kurzer, abgehackter Zug. Dann senkte sie den Kopf, als würde sie sich gegen etwas wappnen.

„Du weißt, was das war.“

Wieder ein Nicken. Langsamer diesmal. Als würde sie zögern.

„Die Legende.“ Elsa beugte sich vor. „Die Mondgöttin. Sie blutet, wenn sie erwacht.“

Lena erstarrte. Nicht der plötzliche Muskelzucken, den Elsa schon kannte – nein, dies war anders. Es war, als hätte jemand einen Schalter in ihr umgelegt. Ihr Atem stoppte. Die Narbe an ihrer Hand zuckte, dann leuchtete sie kurz auf, wie ein Funke, der in der Dunkelheit aufflackert.

„Du hast Angst“, sagte Elsa. „Aber nicht vor mir. Vor ihm.“

Lena riss die Augen auf. Sie wollte etwas sagen. Elsa sah es in ihren Zügen. Aber kein Ton kam. Stattdessen hob Lena die Hand, als würde sie etwas abwehren. Nicht Elsa. Nicht die Erinnerung. Ihn.

„Du kennst die Rituale“, drängte Elsa. „Die, die ich in den Notizen habe. Du zuckst zusammen, wenn du sie berührst. Als würdest du brennen.“

Lena presste die Lippen zusammen. Ihr Körper war steif, als würde sie jeden Moment zusammenbrechen.

„Warum weigert du dich, mir zu helfen? Wenn du die Wahrheit kennst, dann—“

„Nein.“ Ein Flüstern, das fast unsichtbar war. Aber es traf Elsa wie ein Schlag.

„Nein, was?“

Lena schüttelte den Kopf. Tränen tropften auf den Tisch. Nicht weil sie traurig war. Sondern weil sie wusste. Und weil sie nicht wollte.

Elsa griff nach den Notizen. Die Seiten, die Lena berührt hatte, waren feucht. Nicht von Wasser. Von etwas Klebrigem, das sich wie Tinte, aber wie Blut anfühlte. Sie blätterte weiter. Zu den Seiten, die Lena nicht angerührt hatte. Die noch trocken waren.

„Zeig es mir“, flüsterte Lena.

„Was?“

„Das Zeichen. Das, das du suchst.“

Elsa zögerte. Dann legte sie eine Skizze vor sie hin – das Symbol, das sie in Lenas Narbe erkannt hatte. Drei Linien, die ein Dreieck formten, mit einem Punkt in der Mitte, der atemlos wirkte, als würde er pulsieren.

Lena streckte die Hand aus. Langsam. Als würde sie eine Schlange in die Nähe eines Körpers führen. Ihre Finger berührten die Tinte. Und dann zuckte sie.

Nicht zurück. Nach vorne. Als würde sie gezogen.

„Lena—“

Ein Stöhnen. Tief. Wie ein Laut, der in einer anderen Welt entstanden war und nur durch sie hindurchkam. Ihre Augen rollten nach hinten. Nicht bewusstlos. Entfacht.

„Lena!“ Elsa packte ihre Schultern. „Was ist das?“

Lena atmete schwer. Ihr Körper bog sich, als würde etwas in ihr kämpfen. Die Narbe an ihrer Hand leuchtete jetzt hell, als würde sie von innen brennen. Und dann – ein Geräusch. Ein Knacken, wie ein Ast, der bricht.

„Lena, schau mich an!“

Die Augen öffneten sich. Aber sie waren nicht mehr Lena. Sie waren leer. Wie ein Fenster, durch das man in eine andere Welt blicken konnte.

Und dann sah Elsa es.

Hinter Lenas Pupillen bewegte sich etwas. Eine Form. Nicht wie ein Geist. Nicht wie ein Traum. Es war dort. In ihr. Und es wusste, dass Elsa es sah.

Elsa riss die Hand zurück. Lenas Atem war wieder normal. Aber ihre Augen blieben leer. Als würde etwas in ihr warten.

„Du bist nicht nur eine Dienerin“, sagte Elsa langsam. „Du bist eine Wache. Und das, was du bewachst, ist kein Mythos. Es ist real.“

Lena stand auf. Langsam. Als würde sie jeden Schritt bereuen. Dann griff sie nach Elsas Handgelenk. Nicht fest. Nicht sanft. Präzise. Wie ein Chirurg, der einen Nerv berührt.

„Du fühlst es“, flüsterte Lena. „Das ist der Grund, warum du weiß. Weil du fühlst.“

Elsa wollte zurückziehen. Aber Lenas Griff war eisern. Und in ihren Augen lag etwas, das Elsa kannte.

Es war dasselbe, was sie letzte Nacht gesehen hatte. Das Verlangen. Das Brennen.

„Lass mich los“, sagte Elsa. Ihre Stimme war nicht mehr ihre eigene.

Lena lächelte. Ein kurzes, bitteres Zucken der Lippen.

„Nein“, sagte sie. „Das darfst du nicht.“

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