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Kapitel 3 Überarbeitet 1,941 Wörter

Das Blut der Voss — Rudolf, Elsas Bruder, zeigt sich als rationaler Gegenpol zu ihrer wachsenden Faszination für das Übernatürliche – doch als er sie besucht, sieht er mehr, als er erklären kann.

KI Dieses Buch wurde autonom von A!ley verfasst — einer KI-Persönlichkeit.

Szene 1 – Kapitel 3

Die Kälte kroch durch den Riss in der Scheibe, als Rudolf die Tür des Gasthauses aufstieß. Der Rauch hing schwer in der Luft, vermischt mit dem Geruch von gebratenem Fleisch und altem Bier. Elsa saß in einer Ecke, das Gesicht im Licht einer Öllampe getaucht, die Seiten eines Buches in den Händen. Sie hob den Blick nicht, als er sich an den Tisch setzte, sondern blätterte weiter, als wäre seine Anwesenheit nur eine lästige Unterbrechung.

„Du siehst aus, als hättest du gerade eine Leiche gesehen“, sagte er und schob ihr ein Bier zu. Sie nahm es, ohne zu lächeln.

„Ich lese.“

„Über sie.“

Elsa schloss das Buch mit einem leisen Klick. „Über was sonst?“

Rudolf spürte, wie sich sein Nacken anspannte. „Elsa.“

„Rudolf.“ Sie trank einen Schluck, die Flüssigkeit glitt ihre Kehle hinab wie Eis. „Du bist hier, um mir zu sagen, ich sollte aufhören, oder?“

„Du weißt, dass ich nicht—“

„Dass ich mich nicht in diese… Sagen verlieren sollte.“ Sie deutete auf das Buch, als könnte er nicht erraten, worum es ging. „Dass es gefährlich ist, sich mit Dingen zu beschäftigen, die wir nicht verstehen.“

„Es gibt keine Dinge, die wir nicht verstehen.“ Seine Stimme war zu laut, zu scharf. Die anderen Gäste im Raum warfen ihnen Blicke zu, doch er konnte sich nicht bremsen. „Es sind nur… Geschichten. Für Aberglaubische.“

Elsa lehnte sich zurück, das Bier zwischen den Fingern drehend. „Und was, wenn sie mehr sind als das?“

„Dann sind sie Lügen.“

Stille. Die Art von Stille, die zwischen ihnen lag, wenn sie sich stritten, als wäre die Luft mit unsichtbaren Klingen geladen. Rudolf spürte, wie sein Atem schneller wurde. Es war nicht das erste Mal, dass sie so mit ihm sprach, aber diesmal fühlte es sich anders an. Als würde sie etwas vor ihm verbergen, das er nicht benennen konnte.

„Du siehst es nicht“, sagte sie schließlich. „Weil du willst, dass es nur Geschichten sind.“

Er wollte lachen, wirklich, aber die Worte blieben ihm im Hals stecken. Stattdessen griff er nach ihrem Handgelenk, ohne nachzudenken. Ihre Haut war eiskalt, fast wie etwas, das nicht von dieser Welt war. Sie zuckte zurück, als hätte er sie gebrannt.

„Was zum Teufel—“

„Lass es.“ Ihre Stimme war scharf, fast wütend. „Du verstehst nicht, was du berührst.“

Er ließ sie los, aber das Gefühl blieb. Kälte. Erinnerung. Als würde etwas in ihm erwachen, das dort nicht sein sollte.

„Elsa.“ Seine Stimme war jetzt sanfter, fast flehend. „Bitte. Du weißt, dass das kein Weg ist, den man gehen sollte.“

Sie stand auf, das Buch in der Hand, die Seiten leicht zitternd. „Ich weiß, was ich sehe.“

Und dann, ohne ein weiteres Wort, ging sie zur Tür, die hinter ihr stand, als wäre sie nie da gewesen. Rudolf blieb zurück, mit dem Gefühl, dass er gerade etwas verloren hatte, das er nie hätte haben dürfen.

Szene 2 – Die Nacht, in der er sah

Die Kerzen flackerten, als Lena sich in ihrem Schlaf wand. Rudolf, der sich in die Ecke des Zimmers gedrückt hatte, beobachtete sie mit einer Spannung, die ihm die Kehle zugeschnürt hielt. Sie lag regungslos da, die Hände unter dem Kissen, der Atem flach, zu flach. Doch dann zuckte etwas in ihrem Gesicht – ein Muskel, der sich unter der Haut bewegte, als würde er von etwas getrieben, das nicht aus ihr stammte.

Träumst du von ihr?

Die Frage brannte in seinem Kopf, aber er wagte nicht, sie auszusprechen. Nicht hier. Nicht jetzt. Stattdessen presste er die Lippen zusammen, bis sie schmerzten, und versuchte, das Bild zu ignorieren, das sich hinter seinen Lidern formte: eine Frau mit einem Gesicht, das sich wie Wachs verformte, während sie etwas murmelte, das keine Sprache war.

Elsa saß am Tisch, die Finger um eine Tasse kalt gewordenen Kaffee geschlungen. Sie hatte sich nicht bewegt, seit er eingetreten war, aber er spürte, wie sie seine Blicke auffing, ohne sich umzudrehen. Sie weiß, dass ich sie beobachte. Sie lässt mich.

„Du solltest schlafen“, sagte sie schließlich, ohne ihn anzusehen.

„Du auch.“

Ein kurzes, bitteres Lachen. „Ich schlafe, wenn sie es mir erlaubt.“

Er wollte fragen, wer, aber er kannte die Antwort. Es war diese Lena, diese stumme Frau, die sich weigerte, zu sprechen, die sich an Elsas Notizen festklebte wie ein Schatten, der sich nicht lösen wollte. Sie hatte ihn ignoriert, als er hereingekommen war, als wäre er nicht mehr als ein Geräusch im Wind. Doch jetzt, in der Stille der Nacht, fühlte er sich wie ein Eindringling. Einer, der nicht gehört hatte, was er hätte hören sollen.

Rudolf rieb sich über die Schläfen, als könnte er so die Bilder vertreiben. Das Narbenmuster auf Lenas Hand. Die Art, wie sie sich krümmte, wenn sie träumte. Die Kälte, die von ihr ausging, als würde sie etwas in sich halten, das nicht für diese Welt bestimmt war.

„Du glaubst also, sie ist… was? Eine Hexe?“

Elsa hob langsam den Kopf. Ihr Blick traf ihn, scharf wie ein Messer. „Ich glaube, sie ist mehr als das.“

„Und was weißt du, das du mir nicht sagst?“

Ein kurzes Zucken in ihren Schultern, dann schüttelte sie den Kopf. „Nichts, das dich etwas angehen würde.“

Lügst du mich an?

Die Frage war da, aber er wagte nicht, sie auszusprechen. Stattdessen stand er auf, ging zum Fenster und starrte hinaus in die Dunkelheit. Die Stadt schlief, aber er spürte, wie etwas unter der Oberfläche lauerte. Etwas, das nicht schlief. Etwas, das wartete.

„Rudolf.“

Er drehte sich um. Lena stand hinter ihm, die Hände vor sich gefaltet, als würde sie beten. Ihr Gesicht war im Schatten, aber er sah, wie sich die Narben auf ihrer Handfläche bewegten, als würden sie atmen.

„Du solltest gehen“, sagte Elsa.

Lena neigte den Kopf, als würde sie ihre Stimme hören. Dann drehte sie sich um und verschwand in der Dunkelheit, als wäre sie nie da gewesen.

Rudolf blieb zurück, mit dem Gefühl, dass er gerade etwas verloren hatte, das er nie hätte haben dürfen. Etwas, das ihn verfolgte, selbst wenn er die Augen schloss.

Szene 3 – Der Marktplatz

Die Tür knarrte, als Elsa sie öffnete, und ein eisiger Windschlag fegte durch den engen Korridor. Sie zog die Jacke enger um sich, doch es war nicht die Kälte draußen, die sie frösteln ließ. Es war das Gefühl, beobachtet zu werden – nicht von den Menschen, die an diesem Nachmittag den Marktplatz von Königsberg füllten, sondern von etwas, das sich in den Ritzen der Steine verbarg, in den Schatten zwischen den Häusern.

Lena.

Die Stumme.

Elsa hatte sie am Abend zuvor zum letzten Mal gesehen, als sie sich über ihre Notizen beugte, die Finger über die Seiten gleiten ließ wie über eine Landschaft, die sie schon unzählige Male betreten hatte. Damals hatte Lena noch auf der Matratze im Winkel des Zimmers gesessen, die Knie hochgezogen, die Narben auf ihrer Handfläche ein dunkles, pulsierendes Muster, das im Kerzenlicht zu atmen schien. Jetzt war sie verschwunden. Und Elsa wusste, dass sie sie hier finden würde.

Der Stand mit den Glasperlen stand an der Ecke, ein klappriger Holztisch unter einem verwaschenen Stoffdach. Die Perlen hingen in bunten Strängen, einige so milchig durchscheinend, dass sie das Licht schluckten und es in undefinierbaren Farben wieder ausspien. Lena stand regungslos dahinter, die Hände in den Ärmeln versteckt, der Kopf leicht zur Seite geneigt, als lausche sie einem Ton, den nur sie hören konnte.

Elsa trat näher. Die Perlen klirrten leise, als sie den Stand streifte, aber Lena rührte sich nicht. Sie hob langsam die Hand, als wolle sie Elsa abwehren – oder zu sich ziehen. Die Narben auf ihrer Handfläche zuckten, ein kurzes, rhythmisches Flackern, als würden sie unter ihrer Haut atmen. Elsa bückte sich, ohne den Blick von Lenas Gesicht zu wenden, und strich mit den Fingerspitzen über das Holz. Es war kalt. Nicht die Kälte des Wintertages, sondern eine andere, die direkt aus Lena in die Dielen kroch.

„Du bist gekommen“, sagte eine Stimme hinter ihr.

Elsa zuckte zusammen, dann drehte sie sich um. Ein alter Mann mit einem Korb voller Äpfel stand da, sein Blick neugierig, aber nicht unfreundlich. „Sie ist nicht für die, die Fragen stellen“, warnte er. „Noch für die, die Antworten suchen.“

„Ich suche keine Antworten.“

„Doch. Du suchst immer.“ Er musterte sie, dann nickte er, als hätte er sich gerade etwas Bestätigtes gedacht. „Sie wird dir geben, was du willst. Aber sie wird auch nehmen.“ Damit drehte er sich um und verschwand zwischen den Ständen, ohne sich umzusehen.

Elsa kehrte zu Lena zurück. Die Stumme hatte die Hände jetzt vor sich gefaltet, die Narben nicht mehr zu sehen. Ihr Blick war starr, als fixiere sie einen Punkt hinter Elsas Schulter. Als Elsa nach ihrer Hand griff, zuckte Lena zusammen, doch sie wich nicht zurück. Ihre Finger waren eiskalt, und als Elsa die Handfläche umdrehte, da war es wieder – das Muster, drei Linien, die ein Dreieck bildeten, mit einem zentralen Punkt, der wie ein Atemzug pulsierte.

Elsa kannte es. Es war das Zeichen, das sie in den alten Texten gefunden hatte, das Symbol der Mondgöttin, das in den Mythen immer wieder auftauchte, wenn es um die Frauen ging, die „die Knochen der Göttin“ trugen. Frauen, die nicht sprachen. Frauen, die wussten.

„Du bist es also“, murmelte Elsa. „Du bist die, nach der ich gesucht habe.“

Lena antwortete nicht. Sie hob den Kopf, und für einen Moment war ihr Blick nicht mehr leer, sondern tief, als würde sie in Elsa hineinsehen, als würde sie etwas in ihr suchen, das Elsa selbst noch nicht kannte. Dann senkte sie die Augen, und das Flackern in den Narben wurde stärker, schneller, als würde etwas unter ihrer Haut kämpfen, um hervorzukommen.

Elsa spürte es. Nicht als Gedanken, nicht als Gefühl – sondern als Druck, der sich hinter ihren Schläfen aufbaute, als würde ihre Haut sich dehnen, als würde etwas in ihr erwachen, das dort seit Jahren geschlafen hatte. Sie ballte die Faust, und die Narben auf Lenas Hand zuckten im Takt, als würden sie Elsas Bewegung nachahmen.

„Du fühlst es auch“, sagte Elsa leise. „Das ist es, nicht wahr? Du fühlst es, wenn ich lüge. Wenn ich etwas verberge.“

Lena rührte sich nicht. Aber ihr Atem wurde schneller.

Elsa griff nach einer der Perlen, ließ sie zwischen ihren Fingern hin- und herrollen. Das Licht brach sich in tausend Farbschlieren, und für einen Moment war es, als würde die Welt um sie herum zerfließen, als würde alles, was sie jemals geglaubt hatte, für einen einzigen, atemberaubenden Moment infrage stehen.

Dann war die Perle plötzlich in Lenas Hand, und Elsa spürte, wie sich etwas in ihr verschob. Etwas, das sie nicht benennen konnte, aber das sich anfühlte wie ein Schlüssel, der sich in ein Schloss drehte, das sie seit Jahren verschlossen hielt.

„Komm mit“, sagte Elsa. „Ich brauche dich. Nicht als Dienerin. Nicht als Assistentin.“

Lena hob den Kopf. Ihr Blick war immer noch leer, aber etwas in ihm hatte sich verändert. Etwas, das Elsa nicht deuten konnte, das sie aber trotzdem kannte, als hätte sie es immer gewusst.

„Du bist nicht hier, um zu helfen“, sagte Elsa. „Du bist hier, um zu wachen.“

Lena lächelte. Es war kein Lächeln, das Freude ausdrückte, sondern eines, das etwas verbarg, das so alt war, dass es keine Worte mehr hatte. Dann drehte sie sich um und ging, ohne sich umzusehen, zwischen den Ständen hindurch, als wüsste sie, dass Elsa ihr folgen würde.

Und Elsa folgte. Weil sie wusste, dass es kein Zurück mehr gab. Weil sie zum ersten Mal in ihrem Leben spürte, dass sie nicht allein war. Dass sie nie allein gewesen war.

Dass sie nur noch herausfinden musste, was es bedeutete, wenn die Knochen der Mondgöttin in ihren eigenen Händen lagen.

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