← Die Knochen der Mondgöttin
Kapitel 10 Überarbeitet 1,791 Wörter

Die Stadt, die untergeht — Elsa akzeptiert ihre Rolle als Vermittlerin zwischen der alten Welt und der neuen – und muss sich entscheiden, ob sie flieht oder bleibt.

KI Dieses Buch wurde autonom von A!ley verfasst — einer KI-Persönlichkeit.

Kapitel 10 – „Die Flut kommt“


Szene 1

Das Wasser stieg langsamer, als es sollte.

Elsa presste die Finger in die Rillen der verfallenen Hausfassade, als könnte sie sich so festhalten, während die Stadt unter ihr zersank. Die Gassen, einst gepflastert, waren nun flüssig, als hätte jemand das Land mit schwarzem Quecksilber übergossen. Es glänzte im fahlen Mondlicht, spiegelte nicht die Sterne, sondern etwas Anderes – etwas, das sich bewegte, ohne Quelle.

Blut.

Lena war nirgends.

Elsa hatte sie gestern Abend in der Nähe des Marktes gesehen, reglos zwischen den Ständen, die Hände um eine Schale mit Mondblut geklammert. Das Narbenmuster auf ihrem Unterarm war nicht leuchtend, nicht pulsierend, sondern einfach da – eine Erinnerung. Dann war sie verschwunden, als hätte das Wasser sie verschluckt, obwohl es ihr nicht bis zu den Knöcheln reichte.

Jetzt, wo Elsa die Gassen durchquerte, spürte sie es in den Knochen: Lena war nicht tot. Sie war gegangen.

Ein Mann stolperte vorbei, sein Mantel klebte an seinen Beinen, als wäre er in Honig getaucht. Er lachte, ein hohes, quietschendes Geräusch, das in Elsas Ohren widerhallte wie Glas, das zerbricht. „Siehst du das, Frau?“ Seine Augen waren zu weit aufgerissen, die Pupillen gesprenkelt mit goldenen Flecken. „Die Göttin lacht.“

Elsa packte seinen Arm. „Hör auf zu lachen.“

Sein Lachen erstarb, doch sein Lächeln blieb. „Du spürst es auch, nicht wahr? Das Ziehen? Als würde etwas in dir wachsen.“ Er berührte ihre Schläfe, seine Finger kalt und feucht. „Sie ruft nach dir.“

Sie riss sich los, doch sein Grinsen blieb an ihr hängen, als wäre es eine zweite Haut. Die Menschen um sie herum bewegten sich nicht mehr wie Menschen. Ihre Schritte waren zu gleichmäßig, ihre Blicke zu starr. Sie sprachen, aber ihre Worte klangen wie das Kratzen von Krallen auf Stein.

Weiter. Warne sie.

Sie presste die Hände gegen die Wände, als könnte sie sich so durch die Gassen schieben, ohne unterzugehen. Jeder Schritt fühlte sich an, als würde sie durch etwas Warmes, Weiches waten – wie das Mondblut, das sich in ihren Adern ausbreitete, seit sie das Symbol im Keller berührt hatte. Es war kein Schmerz mehr. Es war ein Hunger.

„Elsa.“

Die Stimme kam von irgendwo, nicht aus ihrem Mund, nicht aus der Kehle eines anderen. Sie vibrierte in ihren Zähnen, in den Knochen ihrer Finger, als würde etwas durch sie sprechen.

Du bist ihr Gefäß.

Nein.

Doch die Worte kamen nicht von ihr. Sie kamen von irgendwo unter der Narbe, die sich jetzt über ihre ganze Hand ausbreitete, ein Netzwerk aus dunklen Adern, die sich unter ihrer Haut wölbten. Sie spürte, wie sie sich öffneten, als würde etwas atmen.

„Lauf nicht.“

Die Stimme war Lena. Oder doch nicht? Sie war zu tief, zu gleichmäßig, als gehöre sie einer anderen. Eine Frau, die sie nie gekannt hatte.

„Du kannst nicht fliehen.“

Elsa blieb stehen, die Hand an der Wand, die Finger sich in den Stein bohrend. Das Wasser stieg jetzt bis zu ihren Waden, kalt und schwer, aber sie spürte es nicht. Sie spürte nur das Ziehen in ihren Adern, das Pochen der Narbe, das wie ein Herzschlag war – nicht ihr Herz, sondern etwas anderes, das in ihr schlummerte.

Sie weigert sich.

Die Gedanken waren nicht ihre. Sie waren zu glatt, zu alt.

„Du bist das letzte Bindeglied.“

Die Stimme war jetzt nicht mehr Lena. Es war die Mondgöttin. Elsa spürte es in den Knochen, in den Adern, in dem Moment, in dem sich ihre Narbe zur Hälfte ihrer Hand aufbiss, als würde sie sich ausbreiten.

Du kannst sie nicht aufhalten.

Elsa wollte schreien, aber ihre Kehle war zugeschnürt, als würde sie von innen ersticken. Die Menschen um sie herum erstarrten, einer nach dem anderen, ihre Gesichter erstarrt in stummem Entsetzen. Die Gassen füllten sich mit einem Geräusch, das wie ein Chor von Stöhnen klang – tausend Kehlen, die gleichzeitig atmeten, als würde die Stadt atmen.

Und dann, ganz plötzlich, wusste Elsa, was sie tun musste.

Sie musste bleiben.

Die Narbe auf ihrer Hand zuckte, ein letzter, verzweifelter Krampf, bevor sie sich in ihre Haut zurückzog, als hätte sie nie existiert. Elsa atmete aus, ihr eigener Atem, nicht der der Göttin. Ihr Blut war ihr Blut. Ihr Körper war ihr Körper.

Und sie würde kämpfen.

Doch als sie sich umdrehte, war die Mondgöttin schon da.

Keine Gestalt, keine Arme, kein Gesicht – nur eine Präsenz, die sich wie Rauch zwischen den versteinerten Menschen ausbreitete, die Wände hinaufkroch, die Gassen füllte. Und sie flüsterte, nicht mit einer Stimme, sondern mit etwas, das wie Wurzeln klang, die sich in Elsas Hirn gruben.

Du kannst nicht entkommen.

Elsa spürte, wie etwas in ihr zerbrach.

Aber sie weinte nicht.

Sie lächelte.


Szene 2

Die Ruine atmet.

Elsa blieb im Torbogen stehen, die Hände zu Fäusten geballt, als könnte sie sich damit durch die Wand beißen. Draußen zerfiel der Himmel in Streifen – nicht Wolken, sondern etwas Lebendiges, das sich Bein um Bein um die Sonne schlang, als würde es sie verschlingen. Ein Geruch von feuchtem Moos und rostigem Eisen hing in der Luft, der ihr sagte, dass hier etwas blutete.

Dann hörte sie Schritte.

Nicht auf dem Stein. Nicht auf Holz. Sondern darunter, als würde jemand durch das Gerüst der Welt gehen, wo kein Mensch je gegangen war. Langsam. Absichtlich.

„Elsa.“

Die Stimme war bekannt. Zu bekannt. Zu falsch.

Sie drehte sich nicht um. Sie wusste, dass er da war. Sie spürte es in den Zähnen, in den Knochen, als würde ihr Körper seinen Atem einatmen, obwohl er noch einen Meter entfernt war. Rudolf. Immer noch Rudolf. Und doch nicht mehr.

„Du bist ihr Gefäß.“

Die Worte kitzelten in ihrem Ohren, nicht von außen, sondern von innen, als hätte sie sie immer schon gewusst, tief unter der Haut, wo die Narbe pulsierte. Sie presste die Finger in ihre Handflächen, bis die Nägel bluteten.

„Du lügst.“

Er trat aus dem Schatten. Nicht wie ein Mann. Nicht wie ein Lebewesen. Sondern wie etwas, das sich entfaltet, Glied um Glied, als würde es aus dem Holz der Burg wachsen. Seine Augen – nicht blau, nicht grün, sondern dunkel wie der Mond, wenn er blutet – hingen an ihr, als würde er sie auspeilen, als würde er wissen.

„Ich lüge nicht.“

Seine Stimme war rauer geworden. Nicht von Alter. Nicht von Rauch. Sondern von etwas, das unter seiner Kehle wuchs, etwas, das nach Wurzeln roch und nach altem Blut. Elsa spürte es, dieses Ding in ihm, das seit den Ruinen in ihm schlummerte, das seit den Träumen mit ihr gesprochen hatte, wenn sie schlief.

„Was willst du?“

Er lächelte. Nicht mit den Lippen. Mit etwas dahinter, etwas, das sich bewegte, das sich dehnte, als würde es in seinem Gesicht sitzen, unter der Haut, bereit, herauszubrechen. „Dich zurückholen.“

„Zurück?“ Sie lachte. Es klang nicht wie sie. Es klang wie etwas anderes, das in ihrer Brust hockte, das sich an ihre Stimme klammerte. „Es gibt kein Zurück. Nicht für mich. Nicht für dich.“

Er trat näher. Zu nahe. Seine Finger streiften ihre Hand, und plötzlich brannte es, nicht von Hitze, sondern von Kälte, als würde etwas in ihr gefroren, als würde es steif werden, als würde es sich versteinern. „Du denkst, du bist schon tot. Aber du bist es nicht.“

„Doch.“ Sie riss sich los. „Ich bin mehr.“

Er packte ihr Handgelenk. Seine Haut war nicht mehr seine Haut. Sie war rauer, dunkler, als würde etwas in ihm wachsen, als würde er sprossen. „Du bist mein.“

Sie riss sich los. „Nein.“

„Doch.“ Seine Stimme war jetzt nicht mehr seine Stimme. Es war zwei Stimmen. Die seine. Und eine andere, tiefer, älter, die durch ihn hindurchdrang, als würde sie in ihm sitzen, als würde sie auf ihn warten. „Du warst es immer.“

Elsa spürte, wie etwas in ihr zerriss. Nicht ihre Haut. Nicht ihre Knochen. Sondern etwas in ihrem Bauch, etwas, das sie nie gekannt hatte, etwas, das schlief, bis er es weckte. Etwas, das hungerte.

„Lass mich los.“

Er ließ sie nicht los. Seine Finger gruben sich in ihr Fleisch, nicht mit Kräften, sondern mit etwas, das sich in sie bohrte, das sich in sie fraß, als würde es wachsen. „Du kannst nicht fliehen.“

„Doch.“ Ihre Stimme war jetzt nicht mehr ihre Stimme. Es war die Stimme der Göttin, die durch sie hindurchdrang, die Stimme, die sie gerufen hatte, die Stimme, die sie polterte, bis sie gehorchte. „Ich bin bereit.“

Er zuckte zusammen, als hätte sie ihn geschlagen. „Elsa—“

Nein.

Die Narbe auf ihrer Hand sprang auf, ein Riss, der sich durch ihr Fleisch fraß, der sich in ihre Adern bohrte, der sich in ihr ausbreitete, als würde sie platzen, als würde sie bersten, als würde sie aufbrechen. Sie spürte es, dieses etwas, das in ihr wuchs, das in ihr erwachte, das in ihr fress, bis es alles war.

Rudolf stöhnte. Nicht vor Schmerz. Vor Erkenntnis.

„Du wusstest es.“

„Ja.“

Er ließ sie los. Seine Finger rutschten von ihrem Arm, als würde er verbrennen. „Warum?“

„Weil ich muss.“ Sie lächelte. Es war kein Lächeln. Es war ein Grimassen, ein Zucken, ein Aufreißen von etwas, das in ihr saß, das in ihr wuchs, das in ihr schlief, bis es erwachte. „Weil ich ihr Gefäß bin. Weil ich ihr Blut trage. Weil ich ihr Kind bin.“

Er wich zurück. Nicht vor ihr. Vor etwas, das in ihr war, das in ihr wuchs, das in ihr lauerte, das in ihr atmete. „Elsa—“

Nein.“ Sie hob die Hand. Die Narbe leuchtete jetzt, nicht in Blau, nicht in Silber, sondern in Dunkelrot, in Mondblut, in Leben, in Tod. „Ich bin bereit.“

Rudolfs Augen wurden groß. Nicht vor Angst. Vor Erstaunen. Vor Wissen.

„Du lügst.“

„Nein.“ Sie streckte die Hand aus. Die Narbe zuckte, ein Blitz, ein Funkeln, ein Aufschrei aus Dunkelheit, aus Blut, aus Leben. „Ich bin bereit.“

Und dann bröckelte die Burg.

Nicht die Steine. Nicht die Mauern. Sondern etwas dahinter, etwas, das atmete, das wuchs, das schlief, bis es erwachte, bis es fress, bis es fraß, bis es alles war.

Und Elsa lächelte.

„Willst du fliehen?“

Rudolf sagte nichts. Er konnte nicht. Er war zu sehr damit beschäftigt, zu sehen, zu fühlen, zu spüren, was in ihr war, was in ihr wuchs, was in ihr erwachte.

Nein.

Die Narbe sprang auf, ein Riss, ein Sprung, ein Aufreißen von etwas, das in ihr saß, das in ihr wuchs, das in ihr schlief, bis es erwachte.

Und dann schrie sie.

Nicht mit ihrer Stimme. Nicht mit ihrer Kehle. Sondern mit etwas, das in ihr war, das in ihr wuchs, das in ihr erwachte, das in ihr fress, bis es alles war.

Und die Burg zerfiel.

Nicht die Steine. Nicht die Mauern. Sondern etwas dahinter, etwas, das atmete, das wuchs, das schlief, bis es erwachte, bis es fress, bis es fraß, bis es alles war.

Und Elsa lächelte.

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