Der erste Bruch — Konfrontation mit Alastair und Elias Finchs Entscheidung.
Das Archiv roch nach altem Papier, Staub und dem süßlichen Verfall von Leder. Elowen saß auf der hölzernen Arbeitsplatte, das Tagebuch ihres Vaters vor sich ausgebreitet. Die Tinte war blass geworden, aber Silas' Handschrift — eckig, fast schon aggressiv elegant — war noch lesbar. Sie hatte den Code aus Kapitel 3 gefunden, die Passage über Alastair Vane als „Architekt des Schweigens“.
Sie strich mit den Fingern über die Worte, und plötzlich war da dieser kalte Schauer. Silas hatte Alastair nicht nur beschrieben; er hatte ihn gezeichnet, wie ein Mann der sich in Schweigen hüllt. Und dann kam sie: die verschlüsselte Passage, ein Teil von Silas' Erbe das Elowen nicht verstehen konnte. Sie war keine Rechnung für Blackwood Hall; es war etwas tieferes, ein Geheimnis das Silas in die Tagebücher vergraben hatte.
Plötzlich öffnete sich die schwere Tür des Archivs mit einem Knarren das Elowen zusammenzucken ließ. Alastair stand da, seine Silhouette war massiv gegen das schwache Licht des Flurs abgegrenzt. Sein Blick fiel sofort auf die offenen Seiten ihres Vaters, und seine Augen verengten sich zu Schlitzen.
„Du hast es wieder herausgeholt“, sagte er mit einer Stimme die wie trockenes Holz knarrte. „Ich habe dir gesagt, dass du dich nicht in Silas' Geheimnisse einmischen sollst.“
Elowen spürte, wie ihr Herz gegen ihre Rippen schlug. „Ich versuche nur zu verstehen“, sagte sie, doch seine Stimme war wie ein Schlag gegen ihre Sicherheit.
Alastair trat vor und nahm das Tagebuch aus ihren Händen, die ihn fast zitterten. „Du bist eine Fremde in diesem Haus“, sagte er und warf das Buch zurück, als wäre es Dreck. „Du hast kein Recht auf Silas' Erbe.“
Elowen stand hochkant da, die Tränen in den Augen. „Mein Vater hat mir das gegeben“, sagte sie und ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
Alastair lachte, doch es klang hohl wie eine leere Dose. „Dein Vater hat dir das gegeben, weil er dich nicht mehr schützen konnte.“
Elowen starrte ihn an und spürte, wie sich Wut in ihre Brust schob. „Dann lass mich verstehen! Lass mich wissen was er mir gegeben hat.“
Alastair trat näher, sein Gesicht war eine Maske aus kaltem Zorn. „Du willst nicht verstehen“, sagte er und seine Augen blitzten vor Wut auf.
Elowen rannte aus dem Archiv, die Tränen brachen hervor wie ein Damm der brach. Sie suchte Schutz in den Gärten, wo die Pflanzen im Mondlicht lebten und auf ihre Emotionen reagierten. Sie fand Elias Finch, der wie immer dort war — still beobachtend und unauffällig unter den Bäumen.
„Du solltest hier nicht sein“, sagte Elias mit einer Stimme die wie sanftes Flüstern klang. „Alastair hat dich gesehen.“
Elowen richtete sich auf und ihre Augen waren rot vor Tränen. „Ich will nicht mehr weglaufen“, sagte sie mit einer Stimme die kaum noch hörbar war.
Elias trat näher, seine Hände in den Taschen seiner Arbeitshose verborgen. „Ich kann dir helfen“, sagte er mit einer Stimme die weder warm noch kalt klang, sondern einfach nur ehrlich. „Ich kann dir helfen Silas' Geheimnisse zu verstehen.“
Elowen zögerte, doch sie wusste dass Alastair nicht aufhören würde. Sie musste jemandem vertrauen und Elias war der einzige, den sie noch hatte — oder zumindest glaubte sie das.
„Ich will nicht mehr weglaufen“, sagte Elowen erneut, diesmal fester in ihrer Stimme.
Elias nickte langsam und seine Augen trafen ihre mit einem Blick der tiefes Vertrauen ausstrahlte. „Dann lass uns anfangen.“