Der erste Bruch — Die Welt einführen und Elias' Verlust etablieren.
Die Luft in Aethelgard war schwer und statisch, geladen mit dem Geruch von altem Papier und digitalem Staub. Elias trat durch den Eingang des verfallenen Archivs, seine Schritte hallten auf dem nassen Steinboden wider. Über ihm hingen schwere Vorhänge aus dunklem Samt, die das Licht der späten Nachmittagssonne abblockten. In den Regalen standen Reihen von Büchern und digitalen Speichermedien, die teilweise zerfallen waren.
Elias suchte nach einer bestimmten Spur seiner eigenen Erinnerung — etwas, das er sich in den letzten Wochen wiederholt hatte. Es war ein Fragment eines Gesprächs mit seinem Vater, das er nicht ganz rekonstruieren konnte. Er wusste nur, dass es in diesem Archiv irgendwo gespeichert sein musste.
Er wanderte durch die Gänge, seine Finger streiften über die Rücken der Bücher und Speichersticks. Plötzlich blieb er vor einem Regal stehen, das sich leicht aus dem Rahmen gelöst hatte. Dahinter befand sich ein kleiner Raum mit einem alten Computerterminal und einer Sitzgelegenheit aus Leder.
Elias trat näher, sein Herz schlug schneller. Auf dem Bildschirm des Terminals flackerte ein Bild: Eine Frau, die in einem Garten stand und lächelte. Es war seine Mutter — doch das Gesicht sah seltsam fremd aus, als würde es von einer anderen Person porträtiert worden sein.
Er spürte einen Stich in der Brust, als er die digitale Spur seiner eigenen Erinnerung sah. Es war nicht perfekt — ein Teil des Bildes war verzerrt, als wäre es beschädigt worden. Er wusste nicht mehr genau, ob das Bild echt war oder nur eine Kopie, die über Jahre hinweg verändert worden war.
Plötzlich hörte er Schritte hinter sich — jemand kam näher, seine Hand auf dem Rücken seiner Jacke. Elias wirbelte herum und sah eine Frau mit dunklen Haaren, die ihn fest umklammmerte.
„Du solltest hier nicht sein“, flüsterte sie, ihr Atem warm auf seiner Wange.
Elias starrte sie an — es war Kira, die Widerstandskämpferin der Erinnerungen. Sie hatte ihn bereits in den letzten Tagen beobachtet und wollte ihm helfen, seine eigene Identität wiederzufinden.
„Ich suche meine Mutter", sagte Elias leise, während er sich langsam von ihr löste.
Kira nickte und nahm seine Hand in ihre — sie war warm, aber ihr Griff fest. „Du suchst nicht nur deine Mutter", sagte sie ernsthaft, "du suchst nach deiner eigenen Vergangenheit. Aber der Archivar hat nicht alles gelöscht — er nur Teile davon, die ihn stören. Die restlichen Erinnerungen sind noch da."
Elias sah sie an, seine Augen voller Zweifel. „Was meinst du damit?" fragte er mit brüchiger Stimme, während Kira seine Hand fest umschloss.
„Der Archivar hat versucht, deine Erinnerungen zu manipulieren", erklärte Kira weiter und führte ihn durch die dunkle Gasse hinter dem Archiv. "Aber er ist nicht perfekt — es gibt immer Lücken, die man finden kann."
Elias folgte ihr still durch die Gasse, seine Gedanken kreisten um ihre Worte. Er wusste nicht mehr genau, ob er ihr vertrauen konnte oder ob sie ihn nur in eine Falle lockte. Doch Kiras Blicke waren ehrlich, und ihre Hand fühlte sich warm an seiner Haut real an.
„Ich muss herausfinden, was der Archivar wirklich getan hat", sagte Elias leise, während sie vor einem alten Laden stehen blieben.
Kira sah ihn an und lächelte traurig — sie wusste, dass der Weg vor ihm lang sein würde. „Wir werden es herausfinden", sagte sie bestimmt und führte ihn weiter durch die Stadt, während Elias sich fragte, ob er jemals wieder seine eigene Identität finden würde.