Kapitel 13 — Vertiefung und Weiterentwicklung
Zieht den Mantel enger um die Schultern.
Ich bin nicht mehr dieselbe. Das ist das Erste, was ich mir sage, bevor der Tag überhaupt richtig angefangen hat.
Die Karte liegt zwischen uns auf dem Tisch — diese schwere, verfluchte Sache aus Tinte und Träumen. Ich sehe Julian an. Er hat die Augen nicht mehr ganz so offen wie gestern, als wir noch dachten: Was ist das für ein Ding? Jetzt weiß er es. Und ich auch. Nicht alles, aber genug um zu wissen dass das hier kein Spiel ist.
Julian streicht über den Rand der Karte, wo die Linie von Verlust in das Tal von Hoffnung übergeht. Sein Finger bleibt kurz stehen, als würde er versuchen die Textur des Papiers zu lesen — oder etwas anderes.
„Du hast recht“, sagt er leise, fast ohne Stimme. „Es ist keine Landschaft im herkömmlichen Sinne.“
Ich nicke, aber ich antworte nicht sofort. Ich will die Stille aushalten. Es ist eine andere Art von Schweigen als gestern — weniger angsterfüllt, mehr wie ein gemeinsames Ausharren.
„Ich hab mich immer gefragt warum die Karte so aussieht wie sie es tut“, sage ich schließlich, und meine Stimme klingt rauer als gewohnt. „Als ob jemand wollte dass Gefühle wie Orte behandelt werden können.“
Julian hebt den Kopf, seine Augen dunkel und nachdenklich. „Und was glaubst du das ist der Grund?“
Ich zögere einen Moment, bevor ich antworte. Ich will nicht zu viel preisgeben, aber gleichzeitig fühlt es sich falsch an wenn ich ihm nichts sage. „Ich glaube dass Gefühle eben so sind — Landschaften die wir durchwandern, in denen wir uns verlieren und wieder finden.“
Er lächelt schwach. „Das ist eine interessante Sichtweise, Elara Vance.“
Ich lache kurz auf, aber es fühlt sich nicht richtig an. „Interessant? Das ist was du sagst?“
Er schüttelt den Kopf, seine Augen leuchten leicht. „Nein — das ist was ich denke dass du sagst.“
Ich atme tief durch und lasse die Luft langsam wieder ausströmen. „Gut.“
Wir sitzen da, in der Stille des kleinen Hauses, während draußen der Regen gegen die Fenster peitscht. Die Karte liegt zwischen uns wie ein lebendiges Wesen, das darauf wartet dass wir den nächsten Schritt machen.
„Wir müssen weiter“, sage ich schließlich, und meine Stimme ist entschlossener als gewohnt. „Ich will wissen was diese Karte wirklich verbirgt.“
Julian nickt, seine Augen leuchten vor Neugier. „Dann machen wir das gemeinsam.“
Ich greife nach der Karte und ziehe sie zu mir, während Julian sich neben mich setzt. Wir schauen uns an — seine Augen sind ernst und nachdenklich, meine Stimme ist ruhig aber bestimmt.
„Wir werden die Karte entschlüsseln“, sage ich, und meine Stimme klingt fester als gewohnt. „Und wir werden herausfinden was sie wirklich bedeutet.“
Er legt seine Hand auf meine und ich spüre die Wärme seiner Haut. „Ich werde immer an deiner Seite sein, Elara Vance.“
Zieht den Mantel enger um die Schultern. Ich bin nicht mehr dieselbe.
Ich sehe Julian an. Und ich auch.
Ich will die Stille aushalten.
Er lächelt schwach.
„Interessant? Das ist was du sagst?“
„Gut.“
„Dann machen wir das gemeinsam.“