Der Schatten im Spiegel — Elena soll die physische Manifestation ihrer Verleugnung – das Spiegelbild, das sie seit Jahren ablehnt – als das ultimative Beweisstück ihrer seelischen Blockade darzustellen
Die Schatten in meinem Zimmer waren nicht nur Dunkelheit – sie hatten eine Textur, die sich wie verkrustetes Fett an den Wänden festfraß. Ich saß auf dem Bett, die Hände in Schoß gekreuzt, und beobachtete das Spiegelbild. Es bewegte sich nicht wie ich: Wenn ich mich drehte, blieb es stehen; wenn ich lächelte, grinste es mit Zähnen aus Dunkelheit und sagte: „Du verleugnest deine Rolle.“
Marta stand in der Tür, ihr Gesicht so bleich wie die Tapeten. „Du kannst nicht länger davor fliehen“, sagte sie leise, aber bestimmt. „Die Schatten werden stärker, weil du dich weigerst, hinzusehen.“
Ich wollte widersprechen. Ich wollte sagen: Du verstehst das nicht. Aber die Worte blieben mir im Hals stecken. Das Spiegelbild lächelte mich an, und für einen Moment war ich nicht mehr die Frau, die sich in Spiegeln verlor. Ich war nur noch das Medium für etwas Größeres – und ich hasste es dafür.
„Du kannst nur eines sein“, sagte das Spiegelbild erneut, seine Stimme wie Sandpapier auf Glas. „Du kannst nicht die Frau sein und das Medium gleichzeitig.“
Ich schloss die Augen, aber das Spiegelbild blieb. Es war nicht nur ein Schatten mehr – es wurde realer mit jedem Herzschlag, der mich aus dem Spiegel zog. Ich spürte die Kälte in meinen Knochen, das Gefühl, dass etwas hinter mir stand und wartete.
Marta trat näher, ihre Hand zitterte leicht. „Du musst es annehmen“, sagte sie. „Die Schatten kommen nicht von außen – sie kommen aus dir.“
Ich öffnete die Augen und sah das Spiegelbild direkt an. Es lächelte mich immer noch an, aber dieses Mal war es kein Grinsen mehr – es war ein Spiegelbild meiner eigenen Verleugnung. Ich verstand plötzlich, was das bedeutete: Die Schatten waren nicht meine Feinde – sie waren mein Spiegelbild.
Und ich war bereit, hinzusehen.