Der Schatten im Spiegel — Der Schatten beginnt, Elena zu beeinflussen.
Das Licht in meinem Zimmer war so schwach, dass es kaum mehr als ein zitterndes Grau auf der Wand hinter meinem Bett war. Ich saß da, die Knie angezogen, und starrte auf meine Hände – diese langen, zarten Finger, die so oft gezittert hatten, wenn ich versuchte, etwas zu spüren. Aber heute war da nichts. Nur diese leere Kälte.
„Elena, du musst aufhören damit“, hatte Friedrich gesagt. Seine Stimme war so ruhig gewesen, als hätte er nur über das Wetter gesprochen.
„Ich bin nicht verrückt“, hatte ich geantwortet. Meine Stimme war brüchig, fast ein Flüstern.
„Natürlich bist du nicht verrückt“, hatte er gesagt. „Aber diese... diese Suche nach Antworten in Dingen, die es nicht gibt – das macht dich krank. Wir brauchen keine Geister oder Vorzeichen. Wir brauchen Medizin.“
Und dann hatte er mich angesehen, mit diesem Blick, der so viel mehr war als nur Skepsis. Es war Mitleid.
„Ich bin nicht krank“, hatte ich gesagt, und meine Stimme war so fest gewesen, dass selbst ich mich überrascht hatte.
„Dann warum hast du Angst?“, hatte er gefragt. „Warum zitterst du, wenn ich dich berühre?“
„Weil... weil es so viel ist“, hatte ich geantwortet. „Alles, was passiert – die Träume, das Gefühl, dass etwas hinter mir steht... es ist so viel.“
„Es sind nur Gefühle, Elena“, hatte er gesagt. „Und Gefühle können täuschen.“
„Aber sie tun es nicht“, hatte ich gesagt. „Sie sind realer als alles andere.“
„Dann lass uns über etwas Reales reden“, hatte er gesagt. „Lass uns über unsere Zukunft reden.“
„Unsere Zukunft?“, hatte ich gefragt. „Gibt es überhaupt noch eine?“
Er hatte geschwiegen, und in dieser Stille hatte ich die Wahrheit gehört: Dass er keine Antwort hatte.
„Wir werden uns um dich kümmern“, hatte er gesagt. „Das ist das Einzige, was zählt.“
„Und wenn ich nicht mehr so bin?“, hatte ich gefragt.
Er hatte mich angesehen, und in seinen Augen hatte ich etwas gesehen, das mir Angst machte. Ich wusste nicht, ob es Hoffnung oder Verzweiflung war.
„Dann werden wir weitermachen“, hatte er gesagt. „Bis du wieder da bist.“
„Und wenn ich nie wieder so bin?“, hatte ich gefragt.