Die Klingenjagd nimmt Fahrt auf — Kapitel 5: Die Akzeptanz des Bruches. Elena stellt sich der Erkenntnis, dass die Wiederherstellung nicht bedeutet, eine perfekte Version der Vergangenheit zu schaffen, sondern eine neue, verletztere Wahrheit anzunehmen
Die Klinge in meiner Hand fühlte sich an wie ein Puls, der gegen meine Haut schlug. Nicht hart, nicht kalt – sie vibrierte, als würde sie atmen. Lina stand daneben und starrte auf die Klinge, ihre Augen weit geöffnet, als würde sie etwas sehen, das ich erst jetzt begriff. "Sie reagiert auf dich", sagte sie leise, fast ehrfürchtig. "Aber warum?" Ich strich mit dem Daumen über die Klinge, und sie leuchtete kurz auf – ein blasses Licht, das sich in meinen Fingerspitzen ausbreitete. "Weil sie weiß, dass ich suche", flüsterte ich zurück. Die Klinge war scharf, aber nicht gefährlich – sie fühlte sich an wie ein Teil von mir, der erst jetzt wiedergeboren wurde. Es war keine Klinge im klassischen Sinne; sie hatte Kurven, die sich wie Narben um meinen Handrücken schlossen. Wenn ich sie drehte, hörte ich ein leises Surren, als würde sie sich orientieren. "Sie zeigt uns den Weg", sagte Lina, aber ihre Stimme war voller Zweifel. "Aber wohin?" Ich schloss die Augen und ließ mich von der Klinge führen, bis sie plötzlich stillstand. Vor uns lag ein zerbrochener Torbogen, dessen Steine von Zeit und Verfall zerfressen waren. Hinter dem Bogen öffnete sich ein schmaler, dunkler Gang, der tief in das Gebäude führte. "Hier", sagte ich, aber meine Stimme war brüchig. "Sie will, dass wir weitergehen." Lina zögerte einen Moment, dann trat sie neben mich. Ihre Hand berührte meinen Arm, und ich spürte, wie sich die Klinge in meiner Tasche versteifte. Es war ein Signal – sie wusste, dass wir uns einem Ort näherten, der nicht für Fremde bestimmt war. Der Gang führte zu einer Treppe, die sich in den Untergrund schraubte, bis wir schließlich vor einem schweren, verrosteten Tor standen. Es war verschlossen, aber die Klinge in meiner Tasche vibrierte plötzlich so stark, dass ich sie herausziehen musste. Sie passte perfekt in einen schmalen Schlitz im Schloss, und mit einem leisen Klicken sprang das Tor auf. Hinter dem Tor lag ein Raum voller Klingen, aber sie waren nicht wie die, die wir bisher gesehen hatten. Diese lagen in Reihen auf Tischen – jede von ihnen mit einem Namen eingraviert, der wie ein Flüstern klang. "Sie sind schweigend", sagte Lina, und ihre Stimme war voller Ehrfurcht. "Aber sie sprechen zu uns." Ich trat näher, und die Klinge in meiner Hand begann sich zu drehen. Sie suchte nach etwas, aber sie fand nichts – oder vielleicht war das der Punkt: Es gab keine Klinge, die perfekt passte. Jede, die ich berührte, fühlte sich falsch an, wie ein Teil eines Puzzles, der nicht hingehörte. "Vielleicht suchen wir die falsche Klinge", sagte Lina, und ihre Stimme war voller Zweifel. "Vielleicht ist sie gar nicht hier." Ich schloss die Augen und ließ mich von der Klinge führen, bis sie plötzlich stillstand. "Vielleicht ist sie gar nicht hier."