Kapitel 14 — Vertiefung und Weiterentwicklung
Die Fabrikhalle roch nach verbranntem Gummi und dem metallischen Beigeschmack von Schweiß. Jax schob die Tür auf, und das Licht fiel in scharfen Keilen durch den Staub. Mira saß da wie eine Statue aus Knochen und Schuppen, die Hände in den Schoß gelegt. Ihre Haut glänzte im fahlen Licht wie nasses Leder – die Art von Glanz, der nach Schlamm und Hoffnung aussieht.
„Wir haben genug“, sagte Jax ohne Vorwarnung. Er hielt einen USB-Stick in der Hand, als wäre es eine Waffe. „Wir haben die unfertigen Träume.“
Mira hob den Kopf langsam, als würde sie sich erst daran erinnern, dass sie noch lebendig war. „Und was wollt ihr damit?“
„Wir wollen beweisen, dass Gefühle keine Unfähigkeit sind“, sagte Elara. Ihre Stimme war fester als sie sich fühlte, aber die Hände zitterten immer noch. „Wir wollen dem System zeigen, dass es keine Perfektion gibt – nur die Art von Realität, in der wir leben.“
Mira lachte. Ein trockenes Geräusch wie zerbrechendes Glas. „Karsin weiß das schon.“
„Was?“, fuhr Jax die Augen auf, als würde er versuchen, in Mira durchzuschauen. „Er weiß von dem Plan?“
„Er weiß von allem“, sagte Mira und schob sich einen lockeren Hauch von Hoffnung in die Stimme. „Er weiß, dass ihr versuchen werdet, das System zu stören. Und er hat schon die Stadt in Trümmern versprochen.“
Elara spürte, wie ihr Herz gegen die Rippen schlug. „Warum?“
„Weil er weiß, dass Gefühle keine Daten sind“, sagte Mira und beugte sich vor. „Er will sie zerstören, weil er weiß, dass Gefühle die einzige Art von Realität sind. Und wenn ihr scheitert –“
„Dann wird die Stadt in Trümmern liegen“, beendete Jax den Satz. Er schaute Elara an, und in seinen Augen lag eine Mischung aus Entschlossenheit und Trauer. „Wir haben keine andere Wahl.“
Elara nickte, obwohl sie wusste, dass es die falsche Entscheidung war. „Wir machen das.“
Die Fabrikhalle wurde dunkler, als Jax den USB-Stick in den Hauptserver steckte. Die Träume flossen wie ein Strom von unfertigen Bildern – Gesichter, die noch keine Namen hatten; Gefühle, die noch keine Worte gefunden hatten. Und in der Mitte von allem: Karsin. Er saß da wie ein Gott, seine Hände auf dem Keyboard, und beobachtete die Datenströme mit einer Mischung aus Zorn und Neugier.
„Was machst du da?“, fragte er, als Jax den USB-Stick in das System steckte.
„Wir beweisen dir deine Unfähigkeit“, sagte Jax und schaute ihn direkt an. „Wir zeigen dir, dass Gefühle keine Daten sind.“
Karsin lachte bitter und beugte sich vor. „Dann zeig es mir.“
Elara schloss die Augen und ließ die unfertigen Träume in das System fließen. Sie spürte, wie sie sich durch die Daten schlängelten – Gefühle, die noch keine Namen hatten; Träume, die noch nicht vollendet waren.
„Dann zeig es mir.“ „Dann zeig es mir.“
„Was machs... machst du, Karsin?“, fragte Elara. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, aber in der Stille des Raumes klang sie wie Donner. Karsin drehte sich langsam um, seine Augen waren leer und doch voller Zorn. „Ich mache es für euch“, sagte er leise, als würde er ihr ein Geheimnis anvertrauen. „Ich mache es für alle.“
Er trat näher und berührte Elaras Wangen mit einer kalten Hand. „Ihr wolltet beweisen, dass Gefühle Realität sind? Dann zeigt mir doch einmal – wie ihr diese Welle überlebt.“
Er trat einen Schritt zurück. „Ihr wolltet es nicht hören.“ Karsin ging wieder zum Keyboard, seine Finger flogen über die Tasten, und auf dem Bildschirm explodierten Datenströme in bunten Farben.
„Ihr wolltet unfertige Träume? Hier sind sie“, sagte er und drückte eine Taste. Plötzlich flutete der Raum mit Bildern – verzerrt, unvollständig, aber voller Leben. Elara sah ein Gesicht, das halb Mensch und halb Algorithmus war; sie hörte Stimmen, die wie ein Flüstern aus dem Nichts kamen. Sie spürte eine Welle von Emotionen, die so intensiv waren, dass sie kaum atmen konnte.
„Das ist es“, sagte Karsin und trat näher an Elara heran. „Die Unvollkommenheit der Realität.“
Mira stand hinter ihr und hielt Elara fest, als wollte sie verhindern, dass diese Welle der Gefühle sie überwältigte. „Wir haben gewonnen“, flüsterte Elara, doch Karsin lachte nur bitter. „Nein. Ihr habt gerade den Grund für eure eigene Zerstörung gefunden.“
„Ich will“, sagte Elara, ihre Augen glänzten vor Trotz. „Ich will.“