← Die Architektur der Sehnsucht
Chapter 2 Revised 814 Words

Das Flüstern der Träume — Einführung in Lyras Rolle und ihre Beziehung zu Elara

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Das Atelier roch nach nassem Beton und etwas, das Lyra als unbehagen bezeichnen würde – ein Geruch wie vor einem Gewitter, der nicht in die Luft ging, sondern zwischen den Wänden blieb. Elara saß am großen Arbeitstisch, die Hände über einem Plan ausgebreitet, als wolle sie ihn festhalten. Ihre Finger waren voller Bleistiftstaub und etwas, das wie getrocknete Tinte aussah.

"Es ist zu instabil", sagte Lyra, ohne aufzusehen. Sie stand am Fenster und sah hinaus über die Stadt Träumland, wo die Häuser wie schmelzendes Wachs ineinanderflossen. "Die Spirale... sie hat kein Ende, Elara. Ein Haus braucht ein Fundament, nicht nur eine Sehnsucht."

Elara hob den Blick. Ihre Augen waren müde, aber wachsam. "Ein Haus ohne Ende ist ein Haus ohne Ausweg."

"Das wissen wir", erwiderte Lyra. "Aber wenn die Sehnsucht zu stark ist, wird das Haus zum Gefängnis."

Elara lachte kurz auf. "Ein Gefängnis, in dem man frei ist zu träumen? Das klingt nach einem guten Deal."

Lyra drehte sich um. Ihre Hände waren in den Taschen ihrer Arbeitskleidung vergraben, als wolle sie etwas berühren, das nicht da war. "Es ist kein Deal, wenn die Sehnsucht beginnt, dich zu konsumieren."

Elara sah auf den Plan. Die Spirale war perfekt – oder zumindest so, wie sie es wollte: instabil genug, um zu atmen, aber stabil genug, um nicht zusammenzubrechen. "Huldor will etwas sehen, Lyra. Etwas, das ihm sagt: Hier darfst du sein."

"Und wenn er zu viel sieht?" Lyra trat näher. "Wenn die Sehnsucht ihn zum Haus macht und nicht umgekehrt?"

Elara schloss die Augen. Sie sah Huldor vor sich – sein zerknittertes Gesicht, seine Hände, die zum Bauen gedacht waren. Er hatte ihr etwas gegeben, das sie nicht zugeben wollte: Hunger. Nicht nach Essen, sondern nach Form. Nach etwas, das seine Sehnsucht in Stein und Glas übersetzen konnte.

"Er will sehen", sagte Elara leise. "Und ich gebe ihm das."

Lyra nickte langsam, als hätte sie die Antwort schon erwartet. "Dann lass uns sehen, was er baut."

Ein paar Tage später standen sie vor einem der neuen Häuser – ein schlichtes, fast kastellartiges Gebäude am Rande des Viertels. Es war Huldors Haus, oder zumindest der Anfang davon. Die Wände waren noch roh, als hätte jemand nur die Grundlinien gezogen und dann aufgehört zu bauen. Aber etwas war anders: Die Textur des Betons bewegte sich, als würde er atmen.

"Siehst du das?" Lyra berührte die Wand mit der Fingerspitze. "Es pulsiert."

Elara trat näher und legte ihre Hand über die von Lyra. "Es ist nicht nur der Beton, der atmet."

Sie beobachteten Huldor. Er stand vor dem Haus und berührte die Wand, als wäre sie ein lebendes Wesen. Sein Gesicht war zum Teil entspannt, zum anderen verzerrt – als würde er etwas sehen, das nur er sah.

"Es ist wunderschön", flüsterte er. "Wie ein Traum, der zum ersten Mal Wirklichkeit wird."

Elara sah zu Lyra. Ihre Assistentin hatte die Hände in den Taschen, als wolle sie etwas berühren, das nicht da war. "Es ist zu wunderschön", sagte Lyra leise.

In diesem Moment passierte etwas, das Elara nicht erklären konnte – oder wollte. Ein Riss bildete sich in der Wand hinter Huldor, nicht als Bruch, sondern als Deformation. Der Beton floss wie flüssiges Wachs zu einer Spirale zusammen, die genau der Form entsprach, die Elara gezeichnet hatte.

Huldor starrte darauf, als wäre es ein Wunder. Aber Lyra sah etwas anderes: Sie sah die Sehnsucht in Huldors Augen, wie sie sich zu einem schwarzen Loch zusammenzog.

"Es konsumiert ihn", flüsterte Lyra, als wäre es ein Geheimnis.

Elara wollte widersprechen, aber die Worte blieben ihr im Hals stecken. Sie sah Huldor – sein Gesicht war zum Teil entspannt, zum anderen verzerrt – und sie sah die Spirale in der Wand. Sie war zu perfekt, zu instabil, zu sehnswert.

"Es ist nur Architektur", sagte Elara schließlich. Aber ihre Stimme zitterte, als würde sie lügen.

Lyra sah Elara an, und in ihren Augen lag etwas, das Elara nicht zu deuten wusste – eine Mischung aus Furcht und Bewunderung. "Nein", sagte Lyra leise. "Es ist etwas anderes."

Sie drehten sich um und gingen weg, ohne Huldor zu sehen. Aber als Elara zurückblickte, sah sie die Spirale in der Wand – und zum ersten Mal hatte sie das Gefühl, dass etwas unbehagen war. Etwas Schweres, als würde die Sehnsucht nicht nur das Haus formen, sondern auch etwas in ihr selbst.

Sie ging zum Fenster und sah auf die Stadt Träumland, wo die Häuser wie schmelzendes Wachs ineinanderflossen. Aber diesmal sah sie nicht nur die Architektur – sie sah das unbehagen.

"Es ist zu instabil", sagte Lyra hinter ihr, als wäre sie nicht da gewesen. "Die Spirale... sie hat kein Ende."

Elara drehte sich um, aber Lyra war schon weg. Nur der Geruch nach nassem Beton blieb zurück – und etwas, das Elara als unbehagen bezeichnen würde. Ein Geruch wie vor einem Gewitter, der nicht in die Luft ging, sondern zwischen den Wänden blieb.

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