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Chapter 13 Revised 1,094 Words

Kapitel 13 — Vertiefung und Weiterentwicklung

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Kapitel 13/13 – Szene 1: Das, was unter Marxheim schläft

Der Raum roch nach altem Papier und verbranntem Wachs. Leo stand vor der großen, unvollständigen Karte, die er in den letzten Wochen gezeichnet hatte. Sie war anders als alle anderen. Sie atmete nicht, sie stöhnte. Die Linien bluteten an den Rändern, wo die Stadt sich weigerte, sich festhalten zu lassen. Und in der Mitte, wo Marxheim eigentlich hätte sein sollen, war nur ein schwarzer Fleck, ein Riss, der sich weiter fraß als alles, was er je kartiert hatte.

Lina lehnte an der Wand, die Arme verschränkt, das Gesicht blass. Bart stand hinter ihr, die Hände in den Taschen seiner Jacke, der Blick eisig. Die drei waren allein im Kartografen-Büro, das jetzt mehr aussah wie ein Grab als wie ein Arbeitsplatz. Die Fenster waren verdunkelt, die Vorhänge zugezogen, als fürchtete die Stadt, was gleich kommen würde.

Leo strich mit dem Finger über die Karte. Seine Haut zitterte. „Das ist nicht die Stadt, die ihr kennt.“

Bart schnaubte. „Es ist eine Stadt. Ein Ort. Du malst dir was Schönes aus, Leo. Wie dein Vater.“

Lina hob den Kopf. „Er hat recht. Das ist nicht Marxheim. Marxheim ist…“ Sie suchte nach Worten. „Marxheim ist ein Ort, an dem man lebt. Nicht an dem man stirbt.“

Leo blickte auf. „Wann hast du angefangen, Angst zu haben?“

Barts Grinsen war scharf. „Ich habe keine Angst. Ich habe nur keine Lust, mit dir zu sterben, weil du denkst, du bist der Held.“

Leo ignorierte ihn. Seine Augen blieben auf Lina gerichtet. „Als ich die Karte das erste Mal berührt habe, hat sie sich bewegt. Nicht auf dem Papier. In mir.“ Er presste die Lippen zusammen. „Die Stadt hat mich gesehen, bevor ich sie gesehen habe. Und jetzt…“ Er deutete auf den schwarzen Fleck. „Jetzt will sie, dass ich sie wecke.“

Lina trat näher. „Wecke sie? Was bedeutet das?“

Leo atmete tief ein. „Es bedeutet, dass Marxheim nicht tot ist. Sie schläft nur. Und ich bin der Schlüssel, um sie aufzuwecken.“

Bart lachte. „Der Schlüssel? Du? Du bist der Junge, der nicht mal die Gasse der vergessenen Namen betreten wollte, als du hier angefangen hast.“

„Das stimmt nicht.“ Leo blickte ihn an. „Ich wollte sie betreten. Ich hatte nur Angst, was ich dort finden würde.“

Lina legte die Hand auf seine Schulter. „Leo…“

„Es ist egal, was ich finde.“ Er sah sie an. „Ich habe schon zu viel verloren. , meine Heimat, meine Identität. Aber ich habe noch etwas. Ich habe die Wahrheit. Und ich habe die Stadt.“ Er strich über die Karte. „Ich werde sie nicht wiederherstellen. Ich werde sie wecken. Und ich werde sicherstellen, dass sie nie wieder so ist wie jetzt.“

Bart spuckte auf den Boden. „Du bist verrückt.“

Lina seufzte. „Leo, was passiert, wenn du dich irrst? Was, wenn Marxheim nicht wecken will, dass sie geweckt wird? Was, wenn sie nur schläft, weil sie Angst hat?“

Leo blickte sie an. „Dann sterbe ich hier. Dann stirbt Marxheim mit mir.“

Die Worte hingen in der Luft. Bart sah aus, als würde er am liebsten aus dem Raum stürmen. Lina schloss die Augen. Als sie sie wieder öffnete, sah sie ihn an. „Und wenn du überlebst? Wenn Marxheim wirklich wach wird? Was dann?“

Leo lächelte traurig. „Dann wird alles anders sein.“

Lina drehte sich um, ging zur Tür. „Ich warte draußen.“

Bart blieb stehen, die Hände immer noch in den Taschen. „Und ich? Was soll ich tun? Soll ich hier bleiben und zusehen, wie du dich in die Tiefe stürzt?“

Leo sah ihn an. „Du kannst gehen, wenn du willst. Aber du kannst auch bleiben. Du bist noch nicht fertig hier.“

Bart starrte ihn an. Dann drehte er sich um und folgte Lina zur Tür.

Als sie verschlossen war, blieb Leo allein zurück. Er trat an das Fenster, zog den Vorhang beiseite. Draußen lag Marxheim, still, regungslos. Die Gassen, die Häuser, der Fluss – alles erstarrte, als würde die Stadt den Atem anhalten. Leo legte die Hand auf die Scheibe. Sie war kalt, aber nicht unangenehm. Sie fühlte sich an wie Haut, die sich sehnt, berührt zu werden.

Plötzlich klopfte es.

Leo erstarrte. Es war kein normales Klopfen. Es war, als hätte jemand mit den Fingerspitzen gegen die Tür getrommelt, sanft, aber drängend. Er drehte sich um. Die Tür war geschlossen. Niemand war da.

Das Klopfen kam wieder. Diesmal von der anderen Seite der Wand.

Leo ging zur Tür. Er legte das Ohr dagegen. Nichts. Dann hob er langsam die Hand und öffnete sie einen Spalt. Draußen war nur die Gasse, leer, still. Doch als er die Tür weiter aufdrückte, flüsterte ihm etwas zu. Es kam nicht von außen. Es kam von innen.

Du bist hier.

Leo spürte, wie sich sein Herz zusammenzog. Er schloss die Tür. Langsam, als würde er eine Wunde aufreißen, die besser verschlossen geblieben wäre. Er drehte sich um, ging zurück zur Karte. Seine Hand zitterte, als er mit dem Finger den schwarzen Fleck berührte.

Ich bin bereit.

Die Karte zuckte unter seiner Berührung. Der Riss fraß sich tiefer, schneller, als ob etwas darauf wartete, herausgebrochen zu werden. Leo spürte, wie etwas in ihm aufstöhnte, als würde es seit Jahren darauf gewartet haben, endlich freigelassen zu werden.

Er schloss die Augen.

Und dann begann Marxheim zu schreien.

KAPITEL 13 – SZENE 2: AUSKLINGEN

Die Gasse war leer. Nicht der leere Leere einer verlassenen Stadt, sondern der Leere, die bleibt, wenn ein Ort seine Stimme verloren hat. Die Häuser standen da wie erstarrte Wächter, ihre Fassaden glatt, als hätte jemand alle Risse mit einem Messer zugeschnitten. Der Nebel hing schwer über den Dächern, aber er wehte nicht mehr. Er lag still, als fürchte er sich zu bewegen. Leo ging die Gasse entlang, die Hände in den Taschen vergraben. Seine Schritte waren leise, fast schleichend. Er hatte das Gefühl, als würde die Stadt jeden Moment merken, dass er da war – und ihn verschlucken.

Du bist hier.

Die Stimme war nicht laut. Sie kam nicht von irgendwo, sondern von überall, als wäre sie in den Steinen selbst verborgen. Leo blieb stehen. Er spürte, wie sich etwas in ihm regte, etwas, das schon lange nicht mehr verwendet worden war. Etwas, das es nicht mehr gab.

Ich bin bereit.*

Die Worte kamen nicht von ihm. Sie kamen von der Stadt. Sie kamen von der Karte, die er noch immer in der Hand hielt, obwohl er sie nicht mehr ansah. Er spürte, wie sich der schwarze Fleck auf dem Papier ausdehnte, als würde etwas dahinter drücken, etwas, das endlich herauswollte.

Er schloss die Augen.

Und dann begann Marxheim zu schreien.

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