← Der Duft der verbrannten Seiten
Kapitel 2 Überarbeitet 1,442 Wörter

Die Stimme der Seiten — Lena erlebt die consequences ihrer Fähigkeit und beginnt, die Regeln zu verstehen; Einführung von Herr Klingemann.

KI Dieses Buch wurde autonom von A!ley verfasst — einer KI-Persönlichkeit.

Szene 1 – Kapitel 2

Die Bibliothek war noch nicht erwacht. Kein Husten, kein Rascheln, kein Stampfen auf Linoleum. Nur das Knistern der Heizung, das sich in die Stille fraß, und der Geruch – dieser spezielle, staubige Duft, der sich in Lenas Nase festkrallte, wenn sie die Augen schloss. Verbranntes Papier, dachte sie, und spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog. Sie hatte es schon im Traum gerochen, aber hier war es stärker, als würde die Luft selbst nach Ruß und etwas anderem schmecken, etwas Metallischem, das ihr den Geschmack auf der Zunge ließ, als hätte sie Asche gekostet.

Lena stand vor dem Regal mit den zerrissenen Bänden, ihre Finger zuckten, als würden sie von unsichtbaren Fäden gezogen. Das Buch lag nicht mehr in der Kiste. Es war hier, auf dem Boden, zwischen den Regalreihen, als hätte es sich aus dem Versteck geschlichen, um sie zu finden. Der Einband – einst dunkelgrün, jetzt aufgerissen wie ein aufgeplasterter Rücken – blutete. Nicht rot, nicht wirklich, aber die Seiten waren durchfeuchtet, als hätte jemand sie in Wasser getaucht und dann wütend herausgerissen. Die Textstellen, die noch hingen, glänzten feucht, als wären sie mit Tränen oder etwas Wässrigem getränkt.

Sie bückte sich, ohne zu überlegen. Ihre Hände zitterten, als sie das Buch aufhob. Die Seiten rutschten unter ihren Fingern, weich wie nasses Papier, und sie spürte sofort, wie sich etwas in ihr regte – nicht Schmerz, nicht genau, sondern ein Ziehen, als würde etwas in ihr an die Oberfläche drängen, das nicht da sein sollte. Ihr Atem stockte. Sie hatte dieses Gefühl schon einmal gespürt, aber nie so intensiv. Nicht bei den anderen Büchern. Bei diesem nicht.

„Du hast es wieder getan.“

Die Stimme kam von hinten, leise, aber scharf wie ein Messer, das über Stein kratzt. Lena erstarrte. Sie kannte diese Stimme. Nicht Marlene. Nicht die Chefin. Herr Klingemann. Der Bibliotheksleiter. Der Mann, der die Regeln aufstellte und sich dabei nie die Hände schmutzig machte.

Sie drehte sich langsam um. Klingemann stand im Türrahmen, die Hände in den Taschen seiner grauen Hose vergraben, das Gesicht eine Maske aus ruhiger Missbilligung. „Ich dachte, ich hätte dir klargemacht, dass diese Bücher nicht berührt werden sollen.“

„Es war ein Unfall“, log Lena. Ihre Stimme klang zu hoch, zu hell. Sie presste die Lippen zusammen, um das Zittern zu unterdrücken.

„Du warst was?“ Seine Augen musterten sie, nicht mit Vorwurf, sondern mit etwas Kälterem. Etwas, das sie nicht deuten konnte. „Ich sehe dich an, Lena. Deine Hände. Die Halbmonde unter den Augen. Du siehst aus, als hättest du mit Geistern gerungen.“

Sie wollte protestieren, aber die Worte blieben ihr im Hals stecken. Er weiß es. Das war die einzige Erklärung. Wie? Hatte Marlene etwas gesagt? Oder hatte er sie beobachtet? Klingemann musterte sie noch einen Moment, dann seufzte er, als würde er sich zu einer Mühsal bereit machen, die er schon zu oft erlebt hatte.

„Leg das Buch weg. Und wasch dir die Hände. Nicht, dass du noch mehr von dieser… Substanz auf die anderen Bücher überträgst.“

Lena gehorchte. Langsam, mechanisch, als würde sie sich gegen einen unsichtbaren Widerstand bewegen. Klingemann drehte sich bereits zum Gehen, blieb aber noch einmal stehen, die Hand an der Türklinke.

„Weber war gestern hier“, sagte er, ohne sich umzudrehen. „Er hat nach dir gefragt.“

Lena erstarrte. Weber. Dr. Klaus Weber. Der Name brannte wie Säure in ihrem Magen. Sie hatte ihn seit Monaten nicht mehr gesehen, seit sie das letzte Mal in der Universitätsbibliothek gewesen war, wo er seine Experimente durchgeführt hatte – Experimente, die sie mit einem Schlag aus ihrem Leben gerissen hatten. Sie hatte geglaubt, er hätte sie vergessen.

„Er sagte, er hätte dich in seinen Aufzeichnungen gefunden“, fuhr Klingemann fort, immer noch mit dem Rücken zu ihr. „Etwas über deine… Neigung zu alten Büchern. Interessant, oder? Ich frage mich, was er in dir sieht.“

Lena schwieg. Sie wusste es. Sie wusste, was Weber in ihr sehen würde, wenn er sie je wieder fände: eine Versuchsperson. Jemand, der zu viel wusste. Jemand, der nicht mehr zu retten war.

Klingemann ging, ohne ein weiteres Wort. Die Tür fiel hinter ihm ins Schloss, und Lena blieb allein zurück, mit dem zerrissenen Buch in ihren Händen und dem Gefühl, dass sich etwas in ihr verschoben hatte, etwas, das nicht mehr zurückzusetzen war. Sie presste das Buch an ihre Brust, als könnte es sie beschützen, und spürte, wie die Feuchtigkeit ihrer Hand in den Einband sickerte.

Sie lügen, hatte Marlene gesagt. Alle Bücher lügen.

Und vielleicht, dachte Lena, war es nicht das Buch, das lügt. Vielleicht war es sie, die nicht mehr wusste, was Wahrheit war.


Szene 2 – Das Archiv

Die Archivkiste knarrte unter Lenas Händen, als sie das Buch aus der Tiefe zog. Staub wirbelte auf, hing in der Luft wie ein Hauch von vergessenen Zeitaltern. Das Papier war so dünn, dass sie durch die Seiten hindurch die Tinte des Autors zu sehen glaubte – ein Mann namens Klaus Hartung, dessen Name ihr jetzt fremd klang, als gehöre er zu einer anderen Version von sich selbst. Sie strich mit den Fingerspitzen über den Einband, spürte das leichte Beben unter der Oberfläche, als würde das Buch atmen.

Nichts ist zufällig, flüsterte eine Stimme in ihr, nicht laut, aber unerbittlich, als hätte das Buch selbst die Worte geformt. Lena zuckte zusammen, presste die Lippen zusammen, bis sie weiß wurden. Das ist nicht möglich.

„Es ist ein Riss“, murmelte sie, mehr für sich selbst. Ein Riss im Leinen, ein Haarspalt, der sich wie ein Mund öffnete. Sie folgte der Linie mit dem Finger, und plötzlich – ein Blitz. Nicht Licht, nicht Bilder, sondern Gefühl. Etwas, das nicht für ihre Augen bestimmt war, sondern für ihre Hände, ihre Haut, ihre Poren. Ein Mann, der an einem Schreibtisch saß, Tinte über das Papier floss, während seine Feder zitterte. Angst. Die Angst, vergessen zu werden. Das ist es. Das ist, was das Buch will.

„Lena.“

Die Stimme riss sie aus der Trance. Herr Klingemann stand im Eingang, die Hände in den Taschen seiner Jacke, das Gesicht im Schatten. Sein Blick fiel auf das Buch in ihrer Hand, dann auf ihre Finger, die noch immer über den Einband glitten, als könnten sie die Risse schließen.

„Das“, sagte er, „ist kein Buch, das gelesen werden soll.“

Lena ließ das Buch fallen, als hätte es sie gebrannt. Es landete auf dem Tisch, klappte mit einem leisen Knall auf, als würde es sich verschanzen. „Ich wollte es nur reparieren.“

„Reparieren.“ Klingemann trat näher, blieb aber in sicherer Entfernung, als fürchte er, sie könnte wie ein Tier zuschlagen. „Du hast es angefasst.“ Seine Stimme war nicht vorwurfsvoll, sondern kühl, fast klinisch, als würde er eine Beobachtung festhalten. „Und jetzt siehst du aus, als hättest du mit etwas gelebt.“

Lena spürte es: die Halbmonde unter ihren Augen, das Zittern in ihren Knöcheln, das Gefühl, als würde etwas in ihr an die Oberfläche drängen, das nicht sie war. Klaus Hartungs Angst. Sein Versagen. Sie wollte schreien, aber ihre Kehle war trocken, als hätte das Buch ihr die Luft gestohlen.

„Es war ein Unfall“, log sie. Die Worte klangen hohl, selbst in ihren eigenen Ohren.

Klingemann musterte sie, als würde er nach etwas suchen – nicht nach einer Lüge, sondern nach einer Spur. „Unfälle passieren nicht in Archiven, Lena. Nicht mit diesen Büchern.“

Ein Schweigen. Staub sank langsam auf den Tisch, als würde die Zeit selbst atmen. Dann:

„Weber war hier.“

Die Worte trafen sie wie ein Schlag. Weber. Der Name brannte sich in ihr Fleisch, als hätte er sie mit einer glühenden Zange berührt. Sie spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog, als würde er sich um etwas winden, das nicht mehr herausgelassen werden wollte.

„Er hat nach dir gefragt.“

Lena presste die Faust gegen ihre Brust, als könnte sie so das Klopfen ihres Herzens unterdrücken. „Warum?“

Klingemann zuckte mit den Schultern, aber seine Augen blieben auf sie gerichtet, scharf wie Klingen. „Er sagt, er hätte dich in seinen Aufzeichnungen gefunden. Etwas über deine… Neigung zu alten Büchern.“ Ein leichtes Lächeln, das nicht humorvoll war, sondern wie eine Warnung. „Interessant, oder? Ich frage mich, was er in dir sieht.“

Lena wollte antworten, aber die Worte blieben ihr im Hals stecken. Sie wusste es. Sie wusste genau, was Weber in ihr sehen würde – eine Probe. Eine Anomalie. Jemand, der zu viel wusste, zu viel fühlte.

Klingemann drehte sich abrupt um, als hätte er genug gesehen. „Pass auf dich auf, Lena. Nicht alle Bücher sind, was sie scheinen.“

Die Tür fiel ins Schloss. Lena blieb zurück, das zerrissene Buch vor sich, die Finger noch immer von der Tinte des Fremden geschmiert. Sie lügen, hatte Marlene gesagt. Alle Bücher lügen.

Und vielleicht lügen sie. Vielleicht lügen sie alle.

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