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Chapter 8 Revised 1,224 Words

Das Ende der Rosen — Elara verlässt die Villa, aber die Villa hat einen Teil von ihr zurückgelassen. Die Spannung löst sich, aber die Frage bleibt: Was ist wirklich Realität?

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Kapitel 8 – Die Haut der Villa

Szene 1

Die Villa brennt. Nicht wie Holz, das knistert, nicht wie Papier, das sich in Asche auflöst. Sondern wie Fleisch. Die Wände blähen sich, platzen auf, entlassen zähen Rauch, der nach verbranntem Parfüm und Moder stinkt. Die Treppen winden sich wie geschwollene Adern, die Säulen biegen sich, als würden sie atmen, bevor sie mit einem nassen, reißenden Geräusch in sich zusammenfallen.

Elara steht auf dem Boden, die Hände in den Taschen ihrer Jacke verkrallt, die Fingerkuppen blutig. Sie hat sich die Nägel in die Handflächen gegraben, bis sie bluteten, und jetzt, wo das Blut über ihre Handrücken läuft, spürt sie, wie die Villa es trinkt.

Du kannst gehen.

Die Stimme kommt nicht von außen. Sie kommt von innen.

Elara beißt sich auf die Lippe, bis sie schmeckt, wie Metall sich unter ihrer Zunge ausbreitet. Sie hat die Tür gefunden – die hintere, die Lukas ihr gezeigt hat, die, die rax sagen sollte, um zu entkommen. Sie hat es versucht. „Rax.“ Doch das Holz hat nur gelacht, ein nasses, gurgelndes Lachen, das sich in ihren Ohren festfraß. Also riss sie die Tür auf. Mit bloßen Händen. Die Angel gab nach wie Butter, die Kette zersplitterte wie Glas, und jetzt steht sie hier, im Nachtwind, der ihr das Haar aus dem Gesicht peitscht, während die Villa hinter ihr schreit.

Warum gehst du nicht?

Sie will gehen. Sie muss gehen. Doch ihre Füße sind bleischwer, als würden unsichtbare Fäden sie an die Schwelle binden, an die Steinplatten, die sich unter ihr bewegen, als würde die Villa sie mit den Zähnen packen, bevor sie loslässt.

Elara starrt auf den Boden. Sie sieht, wie sich die Risse zwischen den Steinen öffnen, wie sich etwas Dunkles darin windet, wie ein Finger, der nach ihr greift.

Du gehörst hierher.

Nein. Das stimmt nicht. Sie gehört nirgends hierher. Nicht in diesem Rauch, nicht in diesem Wahn, nicht in den Halluzinationen, die sie seit Wochen plagen. Sie gehört in die Welt da draußen, in die Kälte, in den Regen, in das grelle Licht, das sie blendet, wenn sie die Augen schließt.

Doch dann spürt sie es – dieses Ziehen, das sich in ihrer Brust ausbreitet, das sich in ihren Adern festkrallt wie Rost. Die Villa lässt sie nicht los. Sie hat einen Teil von sich zurückgelassen, als sie ging, und jetzt, wo das Feuer die Wände verschlingt, schreit dieser Teil.

Lass mich raus.

Elara presst die Hände gegen ihre Schläfen, als könnte sie das Flüstern so ersticken. Doch es ist nicht ihr eigenes. Es ist das Lachen der Villa, das sich in ihrem Schädel breitmacht, das sich in ihre Knochen frisst.

Du hast mich nicht ganz verlassen.

Ihre Knie geben nach. Sie sinkt auf die Knie, starrt auf den Boden, wo sich die Steine wie lebendige Haut wölben, als würden sie atmen. Die Villa brennt. Die Villa stirbt. Und Elara? Elara bleibt. Sie reißt die Augen auf, als etwas in ihrer Handfläche zuckt. Ein Puls. Ein Herzschlag. Sie starrt darauf, bis sie sieht, wie sich unter ihrer Haut etwas bewegt, etwas, das nicht sie ist, das nie sie war.

Die Villa hat gewonnen.

Die Flammen lodern höher, verschlingen die letzten Überreste des Korridors, in dem sie gefangen war, in dem sie gemacht wurde. Elara atmet tief ein, und der Rauch füllt ihre Lunge, brennt in ihren Adern, vermischt sich mit ihrem Blut.

Willkommen zu Hause.

Sie lacht. Es ist kein Laut, den sie kennt. Es ist das Lachen der Villa, das sich in ihrem Mund formt, das sich in ihren Knochen einnistet. Dann steht sie auf.


Szene 2 – Das Flüstern der verrotteten Rosen

Der Spiegel war kein Spiegel.

Er hing an der Wand, verziert mit vergoldeten Ranken, die längst von der Feuchtigkeit gefressen und sich zu schwarzen, sich windenden Adern verwandelt hatten. Elara presste die Handfläche gegen die kühle Oberfläche, doch statt ihres eigenen Gesichts sah sie etwas anderes: ein Antlitz, das ihr fremd war, mit Augen, die nicht blinzelten, mit einem Mund, der sich langsam öffnete, als würde er atmen.

Das bin nicht ich.

Doch die Stimme in ihrem Kopf klang wie ihre eigene – oder doch nicht. Sie war tiefer, rauer, als hätte jemand eine Handvoll Schotter in ihren Kehlkopf gestreut.

Du kennst mich.

Elara riss die Hand zurück. Ihre Finger zitterten, nicht vor Kälte, sondern vor etwas, das sich in ihr regte, etwas, das lachte. Sie trat einen Schritt zurück, doch der Spiegel blieb, wo er war, ein stummer Wächter, der sie nicht freigab. Sie trat näher, berührte die Oberfläche wieder. Diesmal zuckte das fremde Gesicht nicht. Es winkte ihr zu.

Komm zurück.

Ihr Atem stockte. Sie kannte dieses Wort. Es war nicht ihre Stimme. Es war die Stimme der Villa, die sie in ihren Träumen heimgesucht hatte, die sie in den Gängen geflüstert hatte, wenn sie dachte, niemand würde es hören.

Ich bin nicht hier, um dich zu holen, hatte Lukas gesagt. Die Villa will dich behalten.

Jetzt verstand sie.

Die Villa war kein Ort. Sie war kein Haus. Sie war ein Teil von ihr – und sie hatte ihn nie losgelassen.

Elara presste die Hände gegen ihre Schläfen, als könnte sie das Flüstern so verdrängen. Doch es war bereits in ihr, wie ein Parasit, der sich in ihre Gedanken fraß.

Du lügst.

Doch.

Die Worte hallten in ihrem Kopf wider, nicht als Echo, sondern als zwei verschiedene Stimmen, die um ihre Seele rangen. Eine wollte fort, die andere wollte bleiben. Und die zweite war stärker.

Du gehörst hierher.

Nein.

Du bist schon lange hier.

Das ist nicht wahr.

Doch.

Die Spiegel um sie herum begannen zu bewegen. Nicht wie Glas, das vibrierte, sondern wie lebendige Haut, die sich zusammenzog und dehnte, als würde etwas darunter atmen. Elara stolperte rückwärts, doch die Wände schlossen sich um sie, als würde die Villa sie umarmen, sie festhalten, bevor sie fliehen konnte.

Lass mich los.

Ich bin schon los.

Du lügst.

Doch.

Die Worte kreisten in ihrem Kopf, ein Wirbelsturm aus Wahrheit und Lüge, und Elara wusste nicht mehr, wo die eine aufhörte und die andere begann. Sie presste die Augen zu, doch hinter ihren Lidern sah sie immer noch das fremde Gesicht im Spiegel, das sie anlächelte, das sie verständnisvoll anlächelte.

Du bist nicht allein, flüsterte die Stimme.

Ich will allein sein.

Das kannst du nicht.

Warum nicht?

Weil du nie frei warst.

Das ist nicht wahr.

Doch.

Die Wände drückten näher, die Spiegel verzerrten sich, bis sie keine Gesichter mehr waren, sondern nur noch wirbelnde, schreiende Münder. Elara spürte, wie etwas in ihr zerbrach – nicht ihr Körper, nicht ihr Geist, sondern etwas, das sie nie bemerkt hatte, das sie seit Jahren in sich trug, das sie nie losgelassen hatte.

Du bist schon lange hier, wiederholte die Stimme.

Ich gehöre hierher.

Du gehörst nirgends hin.

Doch.

Du gehörst zur Villa.

Nein.

Doch.

Die Wände schlossen sich ganz, die Spiegel wurden zu Augen, die sie anstarrten, die sie durchdrangen, bis sie nichts mehr war als ein Echo, ein Flüstern, ein Teil von etwas, das sie nie hätte sein wollen.

Willkommen zu Hause.

Elara öffnete die Augen.

Und im Spiegel sah sie sich selbst.

Doch es war nicht sie.

Es war etwas, das wie sie aussah, das ihre Gestalt trug, ihre Stimme, ihre Erinnerungen – aber es war nicht sie.

Und als es lächelte, wusste sie:

Sie würde nie wieder dieselbe sein.

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