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Chapter 1 Revised 1,858 Words

Die Villa atmet — Elara wird in der Villa eingeführt, ihre Isolation und die unheimliche Atmosphäre werden spürbar. Sie beginnt, die Villa zu erkunden, und stößt auf erste Hinweise auf ihre Vergangenheit.

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Das Flüstern der verrotteten Rosen – Kapitel 1, Szene 1

Der Salon roch nach modrigem Samt und altem Blut. Elara strich mit den Fingerspitzen über den Rücken eines vergilbten Buches, dessen Leder sich an ihren Fingern festkrallte, als wolle es nicht losgelassen werden. Wie ich.

Sie zog das Buch zu sich heran, blätterte. Die Seiten waren dünn, zerbrechlich, aber nicht leer. Hier und da klebten Worte aneinander, als hätte jemand sie mit zitternder Hand festgehalten. Sie las laut, ohne zu wissen, warum, und die Worte schienen sich zu krümmen, als würden sie atmen.

„Die Rosen blühen im Schatten, doch ihre Stacheln tragen die Wahrheit.“

Elara zuckte zusammen. Die Stimme war nicht in den Zeilen. Sie kam von irgendwo hinter ihr, ein Hauch, der sich an ihrem Nacken festfraß. Langsam drehte sie den Kopf. Nichts. Nur der Salon, erstickt unter Staub, der in den Strahlen der Nachmittagssonne wie goldener Pollen glitzerte. Die Fenster waren eng, wie Augen, die sie beobachteten.

Sie legte das Buch zurück auf den Stapel, als wäre es ansteckend. Ihre Hände zitterten. Nicht aus Kälte. Die Villa war immer warm.

Silas Dain.

Der Name schoss ihr in den Kopf, ungebeten, als hätte er auf sie gewartet. Sie presste die Lippen zusammen, bis das Zittern in ihren Fingern nachließ. Nein. Nicht jetzt. Sie würde nicht zulassen, dass er sie jetzt beunruhigte. Nicht hier, nicht in ihrem Salon.

Doch das Tagebuch lag auf dem Sideboard, halboffen, als hätte es auf sie gewartet. Sie ging hin, die Schritte auf dem Parkett laut wie Donner in ihrem eigenen Kopf. Die Seiten waren aus dickem, cremefarbenem Papier, das sich weigerte, sich zu falten. Geheime Tinte. Das wusste sie. Sie hatte es einmal gesehen, wie sich die Worte unter Hitze entfalteten, wie Schatten, die sich weigerten, zu bleiben.

Elara strich mit dem Finger über eine leere Stelle. Hier. Etwas Feuchtes. Sie presste den Finger darauf, spürte, wie sich etwas Warmem, Nassem an ihrer Haut festsog. Blut. Ihr Atem stockte. Langsam hob sie den Finger, sah den dunklen Punkt, der sich auf ihrer Haut ausbreitete wie ein Fleischmal.

„Du suchst ihn, aber er sucht dich schon lange.“

Die Stimme war diesmal näher. Elara wirbelte herum, das Herz gegen ihre Rippen schlagend. Nichts. Nur die Skulpturen an der Wand, steinerne Gesichter, die sie ansahen, als würden sie lachen. Sie lachen.

Sie riss das Tagebuch auf, schlug die Seiten wild durch. Hier. Ein Eintrag, halb verwaschen, als hätte jemand versucht, ihn zu löschen. Aber nicht ganz.

„Der Garten wartet. Die Rosen flüstern. Er kommt.“

Elara ließ das Buch fallen. Es klappte zu, als hätte es sich geschlossen. Sie starrte auf den Einband, spürte, wie sich etwas in ihr zusammenzog, eng, wie eine Faust, die sich um ihr Herz legte.

Er kommt.

Ich bin hier.

Ich bin hier, und ich lasse dich nicht gehen.

Sie presste die Hände gegen die Schläfen, als könnte sie so die Stimmen stoppen. Aber sie wussten, wo sie war. Immer. Die Villa wusste es. Die Wände wussten es. Und irgendwo, in den Schatten, lauschte er.

Elara schloss die Augen. Nein.

Aber die Villa würde nicht lassen.


Szene 2 (Fortsetzung)

Die Bibliothek.

Elara blieb stehen, die Finger um das Tagebuch gekrallt, als hätte es sie bei der Hand genommen. Die Worte auf der Seite waren nicht nur geschrieben – sie lebten. Die Tinte, so dunkel, dass sie sich in das Papier fraß, als würde sie es von innen aushöhlen. Sie strich mit dem Daumen über die Zeile, spürte, wie sich die Oberfläche unter der Berührung leicht erwärmte, als würde das Papier atmen.

„Die Rosen blühen im Schatten, doch ihre Stacheln tragen die Wahrheit.“

Sie las es noch einmal, diesmal leiser, als fürchte sie, die Worte könnten sich verstecken, wenn sie zu laut wurden. Aber sie blieben. Sie blieben.

Ihre Augen wanderten weiter, bis sie auf einen anderen Eintrag stießen, dieser war fast vollständig verschwunden, als hätte jemand mit einem Lappen darübergewischt. Nur noch ein paar Fragmente blieben zurück, wie verblichene Träume:

„Er kommt. Nicht mit Schritten, nicht mit Worten. Er kommt mit dem—“

Dort brach der Satz ab, als hätte die Tinte sich geweigert, weiterzugehen. Elara beugte sich näher, die Nase fast auf dem Papier, und roch es. Metall. Nicht wie Blut, nicht wie Eisen – sondern wie das, was blieb, wenn Blut getrocknet war, wenn es in die Ritzen des Holzes sickerte und dort erstarrte. Sie leckte sich über die Lippen, spürte, wie ihr Mund trocken wurde.

Silas Dain.

Der Name brannte in ihr, als würde er sich in ihre Zunge fressen. Sie hatte ihn nie laut ausgesprochen, nicht seit Jahren. Nicht seit jenem Abend, als die Wände zu flüstern begannen und sie wusste, dass sie nicht mehr zurückkonnte. Nicht nach dem, was sie gesehen hatte. Nicht nach dem, was er gesehen hatte.

Sie schloss das Tagebuch mit einem Ruck, als könnte sie so die Worte eindämmen, die sich in ihrem Kopf ausbreiteten wie Risse in Glas. Aber es half nicht. Die Worte krochen weiter, scharfe Kanten, die sich in ihr festsetzten.

„Er kommt.“

Die Stimme war nicht in den Zeilen. Sie war hinter den Zeilen. Sie war in den Wänden. Sie war in dem Staub, der sich auf ihrem Gesicht niederließ wie Asche.

Elara drehte sich langsam um, die Hände zu Fäusten geballt. Die Regale um sie herum schienen sich zu neigen, als würden sie sie beobachten. Die Bücher, sonst stumm und reglos, atmeten jetzt, als würden sie mit ihr sprechen. Sie presste die Lippen zusammen, bis das Zittern in ihren Knien nachließ.

Nein. Nicht jetzt.

Sie musste hier raus. Sie musste—

„Du suchst ihn, aber er sucht dich schon lange.“

Die Stimme war diesmal näher. Elara zuckte zusammen, als hätte jemand sie berührt. Sie wirbelte herum, die Augen wild, suchend. Nichts. Nur die Skulpturen an der Wand, steinerne Gesichter, die sie ansahen, als würden sie lachen. Sie lachen.

Sie riss das Tagebuch auf, schlug die Seiten wild durch, als könnte sie so Antworten finden. Hier. Ein Eintrag, halb verwaschen, als hätte jemand versucht, ihn zu löschen. Aber nicht ganz.

„Der Garten wartet. Die Rosen flüstern. Er kommt.“

Elara ließ das Buch fallen. Es klappte zu, als hätte es sich geschlossen. Sie starrte auf den Einband, spürte, wie sich etwas in ihr zusammenzog, eng, wie eine Faust, die sich um ihr Herz legte.

Er kommt.

Ich bin hier.

Ich bin hier, und ich lasse dich nicht gehen.

Sie presste die Hände gegen die Schläfen, als könnte sie so die Stimmen stoppen. Aber sie wussten, wo sie war. Immer. Die Villa wusste es. Die Wände wussten es. Und irgendwo, in den Schatten, lauschte er.

Elara schloss die Augen. Nein.

Aber die Villa würde nicht lassen.


Szene 1 – Kapitel 1

Die Treppe knarrte unter Elaras Schritten, aber sie blieb stehen, als würde sie zuhören, ob die knirschenden Stufen zurückknarrten. Die Villa war still, aber diese Stille war nicht die der Abwesenheit. Sie war die Stille des Atems, der gehalten wird, bevor er freigelassen wird. Er kommt. Die Worte hingen in der Luft, klebrig wie Spinnweben, die sich an ihrer Haut festklammerten. Sie rieb über ihren Unterarm, spürte die Gänsehaut, die sich wie eine zweite Haut über ihre Arme zog. Nicht von Kälte. Von etwas, das wusste, dass sie da war.

Unten, im Fazettensaal, lag das Tagebuch offen auf dem Tisch, als hätte es sich selbst aufgeschlagen, als sie es zurückgelassen hatte. Der letzte Eintrag war nicht von ihrer Hand. Die Tinte war nicht ihre. Sie war dicker, dunkler, als hätte sie mit Zähnen in das Papier gebissen, um Spuren zu hinterlassen.

„Er kommt. Nicht mit Schritten, nicht mit Worten. Er kommt mit dem—“

Elara beugte sich vor, bis ihr Atem die Seite berührte. Der Geruch stieg ihr in die Nase: metallisch, aber nicht wie Blut, sondern wie der Geschmack, der bleibt, wenn man zu lange auf einer alten Münze gekaut hat. Rost. Oder Erinnerung.

Sie strich mit dem Finger über die Zeile, als könnte sie die Buchstaben glätten. Doch sie blieben. Sie wollten bleiben.

„—mit dem, was du fürchtest, wenn du schläfst.“

Ihre Finger zuckten zurück, als hätte die Tinte sie gebissen. Sie presste die Hand gegen die Wand, spürte, wie sich der Putz unter ihren Fingern abbröckelte, als wäre er nur eine Fassade, hinter der etwas Schwarzes pulsierte. Nein. Nicht das.

Sie riss sich los, stolperte rückwärts, bis sie gegen einen der steinernen Engel an der Wand stieß. Sein Gesicht war starr, die Augen hohl, als hätte er längst aufgehört, etwas zu sehen. Oder als hätte er zuviel gesehen.

Elara presste die Lippen zusammen, bis das Zittern in ihren Knien nachließ. Konzentrier dich. Atme.

Doch der Atem kam nicht. Die Luft in der Villa war zu schwer, als würde sie von etwas gesättigt, das nicht Sauerstoff war.

Sie ging weiter, die Hände zu Fäusten geballt, als könnte sie so die Stimmen in ihrem Kopf zusammenhalten, bevor sie entkamen. Die Wände schienen sich zu neigen, als würden sie sie beobachten. Die Tapete, einst in tiefem Blau, war an einigen Stellen aufgerissen, als hätte etwas von innen versucht, herauszukommen.

„Du suchst ihn, aber er sucht dich schon lange.“

Die Stimme war nicht in den Wänden. Sie war in ihr.

Elara blieb stehen, die Augen weit aufgerissen, als würde sie versuchen, den Ursprung der Stimme zu orten. Doch es gab keinen. Nur Stille. Und dann, ganz leise, ein Kichern.

Sie wirbelte herum, die Hände schon nach etwas suchend, das nicht da war. Nichts. Nur die Skulpturen, die sie ansahen, als würden sie lachen. Sie lachen.

Ihr Atem kam in kurzen, keuchenden Stößen. Das ist nicht real. Das ist nicht real.

Aber die Villa flüsterte weiter, und diesmal war es nicht nur ihre Einbildung. Die Stimme war da, in den Ritzen der Decke, in den Falten der Vorhänge, die sich wie Finger um die Stangen krallten.

„Der Garten wartet. Die Rosen flüstern.“

Elara spürte, wie sich etwas in ihr zusammenzog, eng, wie eine Faust, die sich um ihr Herz legte. Sie presste die Hände gegen die Schläfen, als könnte sie so die Stimmen stoppen. Aber sie wussten, wo sie war. Immer. Die Villa wusste es. Die Wände wussten es. Und irgendwo, in den Schatten, lauschte er.

Ich bin hier.

Die Worte schossen ihr durch den Kopf, scharf wie Splitter. Sie schloss die Augen, versuchte, sie wegzudrücken, aber sie bohrten sich in ihre Gedanken, wie Dornen, die sich nicht entfernen ließen.

Ich bin hier, und ich lasse dich nicht gehen.

Elara öffnete die Augen. Die Villa war noch da. Die Wände. Die Skulpturen. Die Stimmen.

Ich bin hier.

Sie atmete tief durch, einmal, zweimal, dreimal, bis ihr Herzschlag sich etwas beruhigte. Bis die Hände nicht mehr zitterten.

Du hast hier nichts zu fürchten.

Die Stimme war jetzt lauter, drängender. Sie kam von überall und nirgends zugleich.

Du hast hier nichts zu fürchten.

Elara presste die Lippen zusammen, bis sie fast unsichtbar wurden.

Lüg nicht.

Sie ging weiter, Schritt für Schritt, als würde sie gegen etwas ankämpfen, das sie nicht sehen konnte. Die Treppe unter ihren Füßen schien sich zu bewegen, als würde sie atmen. Die Villa atmeten. Die Wände atmeten. Und sie? Sie atmete nicht. Sie hielt die Luft an, als würde sie versuchen, die Stimmen in sich zu ersticken, bevor sie entkamen.

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