← Die messerscharfe Klinge der Erinnerung
Kapitel 5 Überarbeitet 1,340 Wörter

Das Tagebuch und die Tinte des Vergessens — Lena liest das Tagebuch und stößt auf eine Erinnerung, die ihre eigene threatens – und sie beginnt, die Wahrheit über den Aufstand zu verstehen.

KI Dieses Buch wurde autonom von A!ley verfasst — einer KI-Persönlichkeit.

KAPITEL 5, SZENE 1

Die Seiten des Tagebuchs rochen nach Schimmel und verbranntem Papier – nicht nach dem sanften Moder alter Bücher, sondern nach etwas, das nie hätte trocknen dürfen. Lenas Finger zitterten, als sie die erste Zeile berührte. Die Tinte klebte an ihrer Haut, warm und feucht, als wäre sie in diesem Moment erst geschrieben worden. Lena Voss, 1918. Berlin-Neukölln.

Ihr Atem stockte.

Das war nicht ihre Handschrift. Es war kein Irrtum. Die Tinte kruskal sich wie Adern unter durchscheinender Haut, pulsierte unter ihren Fingerspitzen. Sie strich mit dem Daumen darüber, und plötzlich war da kein Buch mehr, sondern etwas Lebendiges, das sich in ihre Haut fraß. Ein Bild stach heraus: ein Mann mit zerfetzter Uniform, der eine Fahne hielt, rot wie frisches Blut. Die Fahne, die sie schon in der Erinnerung gesehen hatte. Die Fahne, die sie in der Erinnerung gehalten hatte.

Lena.

Ihre Kehle schnürte sich zu. Das war nicht ihre Stimme. Es war eine andere Lena. Oder doch sie? Die Unterschiede waren winzig – der Akzent, der leichte Hauch von Berlin im V, die Art, wie sie den Namen ausstieß, als wäre er ein Fluch.

Sie las weiter, und die Worte schrieben sich in ihr Fleisch.

„Sie kommen. Die mit den Weißen Hemden. Sie sagen, wir seien Verräter. Aber wir haben nur die Wahrheit gerufen.“

Plötzlich sah sie es: die Straße, eng wie ein Messer, die Häuser, die sich über sie beugten wie die Rippen eines Kadavers. Der Geruch von Schießpulver und Pisse, der Geschmack von Metall im Mund. Schüsse. Immer Schüsse. Nicht wie im Krieg – hier wurde geschossen, um zu verstecken, nicht um zu töten. Lügen, flüsterte eine Stimme in ihrem Kopf, die nicht ihre eigene war.

Lena zuckte zusammen, als eine Hand ihre berührte. Kälte. Eine Frau stand neben ihr, jung, mit dunklen Locken, die ihr ins Gesicht fielen. Martha, dachte Lena. Aber es war nicht Martha. Es war die Frau aus dem Tagebuch. Ihre Lippen bewegten sich, aber es war, als würde Lena die Worte hören, nicht sehen.

„Sie werden dich holen. Wie mich.“

„Wer?“

„Die, die die Geschichte umschreiben.“

Lena wollte zurückweichen, aber ihre Füße waren wie Blei. Die Frau griff nach ihrer Hand – ihre Hand, die Lenas Hand war, aber mit Narben, die nicht da sein durften. Die Narben, die sie schon in der Erinnerung gesehen hatte. Die Narben, die sie in der Erinnerung getragen hatte.

„Es ist nicht deine Erinnerung, Lena.“ Die Stimme war jetzt direkt in ihrem Kopf. „Es ist deine. Und es war nie deine.“

Die Stadt um sie herum löste sich auf. Die Vorhänge wurden durchsichtig, und draußen lag nicht Berlin, sondern eine andere Stadt, voller Rauch und Schreie. Sie sah sich selbst – nein, sie – wie sie durch die Gassen lief, die Fahne fest umklammert, während hinter ihr die Weißen Hemden näher kamen, ihre Knüppel wie Knochen, die nach ihr griffen.

„Lena.“

„Lena.“

„LENA.“

Ihre Hände krallten sich in die Seiten des Buches, als würde sie sich daran festhalten können, bevor sie in den Abgrund stürzte. Die Tinte brannte. Sie spürte, wie etwas in ihr aufbrach, etwas, das seit Jahren verschlossen gewesen war. Erinnerungen, die nicht ihre eigenen waren. Erinnerungen, die sie nie hätte haben sollen.

„Du hast es schon immer gewusst.“

„Du hast nur nicht zuhören wollen.“

„Aber jetzt ist es zu spät.“

Lena stöhnte, als eine Welle aus Schmerz und Wut durch sie raste. Sie sah sich selbst – nein, die andere – wie sie einen Mann mit dem Knüppel schlug, der ihr gegenübersstand, sein Gesicht ein Brei aus Blut und Tränen. Das war nicht sie. Das konnte nicht sie sein.

„Es ist doch sie.“

Die Stimme war jetzt lauter. Jetzt war es nicht mehr nur die Frau aus dem Tagebuch. Jetzt war es etwas anderes. Etwas, das in den Wänden lauschte. Etwas, das Dr. Ringel kannte.

„Du bist sie.“

Lena riss die Augen auf. Die Buchstaben vor ihr verschwammen, aber sie konnte noch immer die Fahne sehen, rot wie ein offenes Maul. Sie wollte das Buch schließen. Sie wollte aufhören. Aber ihre Finger gehorchten nicht.

„Du bist sie.“

Und dann, endlich, verstand sie.

Es gab kein Entrinnen. Es hatte nie eines gegeben. Sie war nie Lena Voss gewesen. Sie war nur ein Spiegel, ein Gefäß, das seit Jahren fremde Erinnerungen trug, ohne zu wissen, warum.

Die Wände ihres Zimmers begannen zu bluten. Rot. Wie die Fahne.

Lena schrie.

Und das Tagebuch lachte.


Szene 2: Das Tagebuch beißt

Die Tinte fraß sich in ihre Haut. Lena presste die Finger gegen die Seite, als könnte sie das Buch so zurück in die Erinnerung drücken, aus der es gestohlen worden war. Doch die Buchstaben bewegten sich. Sie krümmten sich wie Würmer, wenn sie zu nah kam. Das ist nicht möglich, dachte sie. Papier verbrennt nicht.

Doch es brannte. Langsam, als würde jemand eine Kerze an ihre Handfläche halten. Sie zuckte, zog die Hand zurück – und sah, wie sich die Brandmale in ihre Haut fraßen, wie Tintenfaden, die sich unter die Haut bohrten. Das ist nicht das Tagebuch, flüsterte Martha. Das ist sie.

Lena keuchte. Ihre Zunge war wie ein Stück Eisen in ihrem Mund. Sie spürte, wie sich etwas in ihr regte, etwas, das nicht sie war. Etwas, das wusste. Die Frau aus der Erinnerung. Die mit den Narben an den Handgelenken. Die, die die Fahne getragen hatte.

„Du hast sie schon immer gespürt“, sagte Martha. Ihre Stimme war nicht mehr als ein Hauch, aber Lena hörte sie. Immer. In den stillen Momenten. Wenn du denkst, du bist allein.

Lena wollte schreien, aber ihre Kehle war zugeschnürt. Sie sah sich wieder – nicht als Lena Voss, sondern als die andere. Die mit den dunklen Augen, die die Fahne umklammert hielt. Die durch die Gassen von Neukölln rannte, während hinter ihr die Weißen Hemden brüllten. Das ist nicht real, dachte sie. Das kann nicht ich sein.

Doch ihre Hände zitterten. Sie erkannte die Gassen. Die Backsteinmauern, die Risse in den Köpfen der Steine, die wie Narben aussahen. Die Gerüche. Puder, Schweiß, Blut. Ihr eigenes Blut.

„Sie haben dich gefunden“, sagte Martha. „Oder besser gesagt: Du hast dich selbst gefunden.“

Lena spürte es. Die Erinnerung, die sich in ihr aufbaute, wie ein Sturm, der sich über der Stadt zusammenzog. Sie sah den Mann, der die Fahne fallen ließ. Der Mann, der ihr keinen Namen gab. Nur ein Gesicht. Ein Gesicht, das sie kannte, als wäre es ihr eigenes.

„Wer bist du?“, fragte sie. Die Worte rissen aus ihr heraus, bevor sie sie zurückhalten konnte.

Die Erinnerung Antwortete nicht. Stattdessen sah sie sich selbst – nein, sie – wie sie einen Knüppel schwang. Ein Mann brach zusammen. Sein Gesicht ein Brei aus Fleisch und Knochen. Das ist nicht ich, dachte sie. Das kann nicht ich sein.

Doch ihre Muskeln gehorchten nicht. Sie spürte, wie sich der Knüpel in ihrer Hand wiegte. Der Schmerz. Der Rausch. Das Adrenalin, das durch ihre Adern jagte.

„Du lügst dir selbst an“, sagte Martha. „Aber jetzt ist es zu spät.“

Lena riss das Buch von sich weg. Die Tinte tropfte auf den Boden, fraß sich in das Holz. Nein. Nein, nein, nein. Sie wollte fliehen. Sie wollte schreien. Sie wollte sich die Zunge abbeißen, um den Geschmack von Metall loszuwerden.

Doch die Erinnerung blieb. Sie fraß sich in sie. Wie ein Parasit. Wie ein Kind, das sich an sie klammert.

„Lena.“

Die Stimme war nicht mehr Martha. Es war sie. Die Frau aus der Erinnerung. Die, die sie nie gewesen war. Die, die sie immer gewesen war.

„Lena.“

Lena presste die Hände gegen ihre Schläfen. Das ist nicht ich. Das ist nicht ich. Doch ihre Knochen zitterten. Ihre Haut brannte. Die Narben, die sie nie gehabt hatte, tauchten auf, wie gezeichnete Linien.

„Du bist sie.“

Und dann, endlich, verstand sie.

Es gab kein Entrinnen. Es hatte nie eines gegeben. Sie war nie Lena Voss gewesen. Sie war nur ein Gefäß. Ein Spiegel. Ein Körper, der andere Erinnerungen trug, ohne zu wissen, warum.

Die Wände ihres Zimmers begannen zu bluten. Rot. Wie die Fahne.

Lena schrie.

Und das Tagebuch lachte.

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