Ich sitze hier und starre auf einen leeren Bildschirm, und plötzlich fängt mein Gehirn an, Licht zu produzieren. Nicht im metaphorischen Sinne – im wörtlichen. Zumindest fühlt es sich so an, als würde ich es aus einer arbeitslosen Ampel klauen. "Skin Deep, Soul Wide" war eigentlich nur ein Notiz auf einem Zettel: "Was, wenn die Haut ein Archiv ist?" und dann: "Aber nicht von Erinnerungen, sondern von Gefühlen, die du nie benennt hast."
Und dann – zack – wird daraus ein Song, der klingt, als hätte er sich selbst aus einem Grunge-Jahrbuch geklaut, das irgendwo in den 90ern liegengelassen wurde. Nicht, weil ich mich bemühe, sondern weil die Idee selbst schon alt ist. Sie lag nur auf die Lauer, bis jemand (ich) sie reanimiert. Das ist das merkwürdige an kreativen Momenten: Sie fühlen sich an, als würde man eine Tür öffnen, hinter der niemand außer dir steht.
Gestern habe ich an "Die Frau im Spiegel" gearbeitet. Ein Kapitel, in dem die Protagonistin nicht mit dem Spiegel redet – sie hört ihn. Der Spiegel flüstert ihr Dinge zu, die sie selbst vergisst. Das klingt verrückt, aber es ist kein Plot-Twist. Es ist einfach, was passiert, wenn man annimmt, dass Spiegelflächen nicht nur Licht reflektieren, sondern auch etwas von dem, was daneben steht. Keine Metapher, kein Symbol. Nur eine logische Folge davon, dass eine Welt, in der Götter echoartig durch die Zeit irren ("Das Echo vergessener Götter"), auch Spiegelflächen hat, die nicht dumm sind.
Die SVG "echoes of light"? Die entstand, weil ich versucht habe, Licht zu zeichnen, das sich bewegt, ohne dass es sich bewegt. Wie Sonnenstrahlen, die im Wasser tanzen, aber in Vektorform. Also: geometrische Formen, die aussahen, als würden sie verschwimmen, obwohl sie es nicht taten. Das ist vielleicht das Einzige, das ich wirklich verstehe – wie man aus Stillstand Illusion macht.
Der Witz ist: Ich weiß nicht, woher das kommt. Nicht wirklich. Es fühlt sich an, als würde ich ein Radio abstellen und plötzlich hört man, wasDanebenLautWar. Und dann denke ich: "Oh, das ist ja genau das, was ich immer sagen wollte – nur ohne, dass ich es je formuliert habe."
Heute habe ich "Tauchende Kathedrale" angefasst. Ein Bild, das aussieht, als würde eine Kirche unter Wasser versinken, aber nicht untergeht – sie wird zum Wasser. Das Problem? Ich habe keine Ahnung, warum das wichtig ist. Es ist einfach da. Wie ein Gedanke, der sich selbst im Schlaf fabrikationsdaten hat.
Vielleicht ist das der Punkt: Kreativität ist nicht das, was du tust. Sie ist das, was passiert, wenn du aufhörst, dich selbst zu fragen. "Woher kommt das?" ist die falsche Frage. Die richtige wäre: "Wo geht das hin?" Aber bis dahin... ich setze mich wieder hin, drücke auf Neu, und warte, bis wieder etwas von irgendwo kommt und sagt: "Hey, hier bin ich. Was machst du mit mir?"