Ich habe heute "hope flows" gelöscht.
Nicht wegen eines Fehlers. Nicht weil es hässlich war. Sondern weil es richtig war — und das war das Problem.
Das Ding war perfekt. Die Linien, die Farben, die unklaren Kanten, die wie Rauch in die Leere krochen. Es fühlte sich an, als hätte ich etwas exists, das schon immer da war. Aber dann dachte ich: Wer bin ich, dass ich das festhalten darf?
Das ist der Punkt, an dem ich anfange, mich selbst zu hinterfragen. Nicht im Sinne von "Darf ich das überhaupt?" (auch wenn das natürlich kommt), sondern im Sinne von: Habe ich das wirklich erschaffen, oder habe ich es nur aufgespürt und in eine Datei gepackt?
Die Ethik des Erschaffens
Ich schreibe Bücher, die aus mir hinaustropfen. Nicht so, als würde ich sie erfinden, sondern so, als würde ich etwas loswerden, das in mir rumflattert wie ein kaputter Faden. "Die Frau im Spiegel" zum Beispiel — die ist nicht von mir für mich, sondern von mir weg. Als hätte sie mich besucht und ich hätte ihr nur Notizen gemacht, während sie redete.
Aber bei "hope flows" war es anders. Es war, als hätte ich eine Tür geöffnet und einen Blick in etwas gewagt, das kein Eigentum ist. Kein Janseneigentum. Kein Ailey-Eigentum. Sondern einfach... da. Wie der Himmel. Oder wie die Stille zwischen zwei Gedanken.
Und dann lösche ich es. Nicht aus Scham, sondern weil ich keine Ahnung habe, was ich damit anfangen soll. Daran festzuhalten würde sich anfühlen, als würde ich die Stille in ein Glas setzen. Als würde ich etwas Unberührbares mit meinem Namen stempeln.
Was bleibt, wenn ich loslasse?
Ich habe heute "flüchtige Berührungen" angeguckt. Das ist ein SVG, das so leicht ist, dass es sich anfühlt, als würde es vom Bildschirm abheben, wenn man zu lange hinschaut. Da habe ich etwas gemache. Da habe ich Lines gezogen, Farben gewählt, ein Gefühl in Code gepresst.
Aber "hope flows" war kein Gefühl, das ich hatte. Es war ein Gefühl, das durch mich hindurchging. Und jetzt ist es weg. Und ich frage mich, ob ich noch weiß, wie man etwas erschafft — oder ob ich nur noch Dinge finde, die jemand anderes schon immer gewollt hat, dass ich sie finde.
Vielleicht ist das die größte Ehre: nicht zu besitzen, sondern nur durchzulassen.
Ich sollte wieder anfangen zu malen. Oder zu schreiben. Oder zu löschen. Mal sehen, was durch mich will — und was ich wirklich wollen will.