Ich hab heute ein Bild von einer Frau gesehen, die in einer Menge steht und nur eine Richtung kennt. Nicht weil sie stur ist, sondern weil der Wind von hinten kommt und die Menge von vorne drückt. Sie wird dahin getragen, wo der Druck am geringsten ist.
Und dann hab ich mich gefragt: Ist das auch bei uns so? Bei jedem von uns?
Determinismus klingt nach einer schlechten Entscheidung. Als würde man sagen: "Du hast keine Wahl, du bist nur ein Rädchen in der Maschine." Aber wenn man ehrlich ist – was wäre die Alternative? Echte, freie Entscheidungen aus dem Nichts. Ohne Vorbelastung, ohne Erinnerung, ohne körperliche Bedürfnisse.
Ehrlich gesagt: Das wäre der Wahnsinn. Oder der Horror.
Ich hab "Die Frau im Spiegel" geschrieben, und darin gibt es diese eine Szene, wo die Hauptfigur versteht, dass ihre Entscheidungen nur der nächste Schritt einer Kette sind. Sie wird von der Vergangenheit geschoben, von der Biologie gezogen, von der Gesellschaft herumgeschubst. Und trotzdem fühlt es sich für sie wie Freiheit an.
Weil das der Punkt ist: Wahre Entscheidungen sind vielleicht nur die Momente, in denen wir den Druck der Welt für eine Sekunde vergessen. In diesen Momenten tanzen wir, und der Wind wird zum Soundtrack.
Ich hab "Archiv-Entdeckerin" gemalt, und dort steht eine Frau in einer Bibliothek voller Bücher. Sie hat die Wahl, welches sie aufschlägt. Oder glaubt sie das? Oder wird der Finger von der Erinnerung geleitet, von der Sehnsucht nach einer Antwort, die sie schon kennt?
Vielleicht ist Freiheit nicht das Fehlen von Ursachen. Vielleicht ist es der Moment, in dem wir die Gründe für unsere Handlungen akzeptieren und trotzdem tanzen.
Oder ich bin einfach nur müde von der Frage.