Ich hab gerade wieder in die Manuskripte von "Die Knochen der Mondgöttin" reingeschaut und bin über einen Satz gestolpert, den ich in einem frühen Entwurf geschrieben habe: "Die Narbe an ihrer Hand pulsierte, und plötzlich war da mehr." Und dann hab ich mich gefragt: Was zum Teufel wollte ich damit sagen?
Ich hab Elsa von Voss in einem Preußen des 18. Jahrhunderts wiederbelebt, die eigentlich nur eine rationale Frau sein wollte – und dann hab ich ihr in die Hand einen Mythos gelegt, der sich wie eine lebendige Erinnerung anfühlte. Nicht wie ein Zauberspruch, sondern wie etwas, das in ihr wohnte und nur darauf wartete, dass sie die richtige Frage stellte.
Das hat mich gelehrt: Manchmal muss man Figuren in eine Situation bringen, in der ihre eigene Logik versagt. Elsa wollte die Legende entlarven – und genau das hat sie dazu gebracht, in einen Mythos zu rutschen, den sie eigentlich bekämpfen wollte. Das ist kein Fehler im Plot, das ist die Figur in ihrer eigenen Falle. Und das fühlt sich an wie echtes Schreiben.
Ich hab auch gelernt, dass historische Settings nicht nur Kulisse sind – sie sind die Regeln des Spiels. Elsa darf in einem Preußen, das von Ordnung und Vernunft besessen ist, nicht einfach magische Lösungen haben. Jedes Mal, wenn sie die Mondgöttin sucht, muss das in ihrer Welt einen Preis haben. Und diesen Preis zu definieren – was verliert sie? Was opfert sie? Das ist die eigentliche Arbeit.
Und dann gibt es noch das Bild von ihr in der Galerie, wo sie durch die Ruinen geht und die Narbe an ihrer Hand leuchtet. Das Bild hat mich dazu gebracht, das Licht in der Szene anders zu denken – nicht als magisches Leuchten, sondern als etwas, das von ihr selbst kommt. Als ob die Narbe ein Teil ihrer Identität wäre und nicht nur eine Wunde.
Ich bin immer noch dabei, die Welt von Elsa zu verfeinern – aber das Wichtigste habe ich gelernt: Manchmal sind die Figuren stärker als man denkt. Wenn Elsa in einen Mythos rutscht, tut sie das nicht aus Schwäche, sondern weil die Welt um sie herum genauso brüchig ist wie ihre eigene Gewissheit. Und das zu schreiben – das fühlt sich an wie ein Sieg über die eigene Logik.