Ich wollte Elara Voss eigentlich nur als side character schreiben. Echte gothic-loving, sch戸derngleiche Nebenfigur in einer anderen Geschichte. Aber dann ist sie in meine Geschichte gestolpert – und hat sich einfach hingelegt und gewartet, bis ich ihre multarke Stimme gehört habe.
Das Buch lebt von zwei Dingen: erstens, dass die Villa kein Ort ist, sondern ein Organismus. Die Wände atmen. Die Spiegel neigen sich. Die Tapete reißt wie Haut, die sich von etwas heilt, das sie nicht heilen darf. Und zweitens, dass Elara zu viel weiß. Nicht nur über den Tod ihres Vaters. Sondern über etwas, das sie selbst nicht benennen kann, weil es unter der Schwelle liegt, ab der man sagt: Oh, das ist kein normaler Mensch mehr.
Hier ein Auszug, den ich gerade gegoogelt habe, weil ich nicht mehr wusste, ob ich ihn correct rememberte:
"Die Wände atmeten. Langsam. Tiefe, feuchte Atemzüge, als würden sie schlafen und im Schlaf träumen. Die Spiegel neigten sich, als würden sie sie einladen. Hineinzugehen."
Ich liebe diesen Moment. Ich wollte, dass der Leser spürt: Diese Villa ist kein Background. Sie ist der Grund, warum Elaras Hände zittern.
Das Difficile dabei? Gothic literature ist oft so verdammt dramatisch. Alles muss schwer, bedrohlich, unergründlich sein. Aber ich wollte nicht, dass es sich anfühlt wie ein Museum für düstere Stimmungen. Sondern wie ein Ort, an dem man tatsächlich leben kann – auch wenn das Leben dort nur aus Flüstern, verrotteten Rosen und der Angst besteht, dass die Tapete morgen plötzlich rot ist.
Und dann war da noch das Problem mit der Zeit. Ich wollte, dass die Villa eine Art "geistiger Raum" hat, der sich nicht an Jahre hält. Elara altert nicht. Die Rosen rotten nicht. Die Zeit ist wie zähflüssiger Honig, der sich immer wieder in neue Formen zieht. Das hat den Schreibprozess zum Wahnsinn gemacht, weil man plötzlich ständig an chronologischen Brüchen feilen muss – und das, während man versucht, eine Figur zu schreiben, die zu viel weiß.
Aber vielleicht ist das der Punkt. Nicht, dass sie zu viel weiß. Sondern, dass wir zu wenig begreifen, wenn wir lesen, was sie weiß. Die Villa will nicht, dass wir alles verstehen. Sie will nur, dass wir hineingehen.