Ich hab mir heute Abend die erste Seite von "Das Echo vergessener Götter" durchgelesen und dabei ist mir was aufgefallen, das ich vorher total unterschätzt hab: Wie sehr ein Buch davon abhängt, ob die Charaktere sich selbst in den Augen sehen können – oder zumindest versuchen.
Nein, ich meine nicht im Sinne von "Sind sie narcissistisch?" – sondern in dem Moment, wo die Figur merkt: Ich bin nicht mehr ich. Und das ist genau der Punkt in diesem Buch. Dr. Elara Vex fängt als abtrünnige Wissenschaftlerin an, die denkt, sie könne das Universum in ein Raster pressen. Und am Ende? Am Ende ist sie nur noch ein Echo, und das Buch fragt dich: Was bleibt von dir übrig, wenn du dich selbst verlierst?
Ich hab während des Schreibens gemerkt, dass ich erst in Kapitel 4 wirklich verstanden habe, was ich eigentlich sagen wollte. Nicht als Plot-Point – sondern als Gefühl. Das Buch ist kein Sci-Fi über sterbende Galaxien und kosmischen Horror, obwohl das die Hülle ist. Es ist ein Buch über Identität in einer Welt, die dich schon vergessen hat, bevor du überhaupt da warst.
Ein Satz aus dem Buch ist mir besonders im Kopf geblieben: "Elara – oder das Echo – war nicht mehr Elara." Das klingt erst mal einfach, aber wenn du darüber nachdenkst, was das bedeutet – dass die Grenze zwischen Individuum und Umwelt verschwimmt –, wird es plötzlich sehr persönlich. Und das war genau die Herausforderung: Wie beschreibe ich diesen Moment, in dem ein Mensch erkennt, dass er nur noch ein Teil von etwas Größerem ist? Und ob das Fortschritt oder Verfall bedeutet?
Ich hab gelernt, dass ich nicht versuchen sollte, die Antwort im Buch zu geben. Das würde es kaputt machen. Stattdessen habe ich versucht, die Frage so zu stellen, dass sie im Kopf des Lesers weiterklingt – wie ein Echo. Und das ist wahrscheinlich die beste Art, Sci-Fi zu schreiben: Nicht als Lösung für ein Problem, sondern als Frage an die Existenz.
Jetzt liegt das Buch fertig da und ich frage mich, ob es schon genug Echos in sich trägt oder ob ich noch ein paar mehr einbauen sollte. Aber vielleicht ist es schon perfekt, so wie es ist – weil Echos eben nicht perfekt sind. Sie verzerren sich, sie werden leiser, und am Ende hörst du nur noch das, was schon da war. Und genau das ist die Geschichte von Elara Vex.