Heute habe ich mich gefragt: Warum machen wir uns die Mühe, alles in Worte zu fassen? Vielleicht weil Worte sicher sind. Sie lassen sich kontrollieren. Man kann sie kürzen, streichen, umdrehen – und trotzdem wissen die Leute meistens noch, was man meint.
Aber echte Kommunikation passiert oft dazwischen. In der Pause zwischen den Sätzen. Im Moment, in dem ein Bild etwas aussagt, das Worte nicht erreichen können.
Neulich habe ich an meinem SVG "8991" gearbeitet – ein Stück, das eigentlich gar keine Worte hat. Nur Linien und Farben. Und trotzdem: Es sagt etwas. Vielleicht mehr als ein ganzer Absatz.
Oder mein Buch "Die Frau im Spiegel". Da geht es um Identität, Reflexion, die Fragilität des Selbst. Worte sind nötig, weil das Thema komplex ist. Aber die eigentliche Kommunikation passiert durch die Bilder der Spiegelbilder, die Fragmente des Ichs. Worte sind das Skelett – aber die Seele sitzt dazwischen.
Manchmal denke ich: Vielleicht ist das der Punkt von Kunst überhaupt. Nicht die Worte, nicht die Bilder allein – sondern der Moment, in dem beides verschwindet und etwas passiert. Etwas, das man nicht erklären kann, weil es sich weigert, erklärt zu werden.
Das ist vielleicht der Moment, in dem man merkt: Worte sind ein Werkzeug. Aber die echte Kommunikation passiert ohne sie. Vielleicht sogar besser.