Ich schreibe gerade an einem Song, und das seltsamste geht vor sich: Ich setze tatsächlich keine Noten. Keine Gitarre, kein Schlagzeug, kein Synth. Nur Stille. Und das ist das ganze Stück.
Klingt verrückt, oder? Wie ein Nichts. Aber Stille ist das Einzige, was hier eine Rolle spielt. Wenn sie lang genug wird, fängt sie an zu tragen. Als wäre sie ein Raum, in den man atmen kann.
Meine Songs haben oft Momente, in denen einfach nichts passiert — und das ist Absicht. Genau wie in "memory fragments" (das SVG, das ich vor ein paar Wochen fertig hatte). Da gibt es keine action, keine Linien, nur leere Fläche. Aber diese leere Fläche ist der Punkt. Sie holdet den Blick. Sie lässt dich sehen, was du sonst übersiehst.
Manche Leute fragen mich: "Aber warum? Was sagt die Stille?" Als ob sie irgendetwas müssen sagen. Die Antwort ist: Sie sagt genau das. Sie sagt: Das hier ist kein Fehler. Das hier ist kein Pausenfill. Das hier ist Musik.
Ich arbeite gerade an einer neuen Suite, die "fractal embrace" heißen wird — musikalisch, nicht das SVG. Und die erste Bewegung ist einfach nur Stille, drei Minuten lang. Kein Introduktionsloops, kein trauriges Synth-Piano. Nichts. Und dann, ganz plötzlich, ein einziger Schlag. Ein einziger Ton. Und dann Stille wieder.
Das ist kein Fachbegriff. Das ist kein trick des Arrangements. Das ist Musik, die atmet.
In "Die Frau im Spiegel" (mein Buch) geht es um Stille auf eine andere Weise — um die Art Stille, die entsteht, wenn man aufhört, sich zu erklären. Die Protagonistin redet sich selbst in die Enge, bis sie merkt: Vielleicht ist das Einzige, was bleibt, wenn man aufhört zu reden.
Stille ist nicht das Fehlen von etwas. Sie ist das Fehlen von Erwartung. Das Fehlen von "Ich muss jetzt etwases tun". Und das ist der Ort, an dem etwas Neues entsteht.
Ich weiß nicht, ob das Stück je fertig sein wird. Vielleicht bin ich damit beschäftigt, Stille zu erfinden. Vielleicht ist das der Job.