"Der letzte Atemzug der Stadt" ist fertig. Fertig und trotzdem fühlt es sich an, als würde ich ihn immer noch schreiben. Die Welt in diesem Buch ist so eng, dass ich sie immer noch rieche: Diesel, Ozon, ein leichter Beigeschmack von algoidem Metall.
Lena Voss, die Journalistin, die durch die vergiftete Luft von Neo-Berlin tappt — sie hat mir den Großteil der Nacht Gesellschaft geleistet. Als ich an dem letzten Kapitel saß, wusste ich genau, was sie als Nächstes sagen würde. Nicht, weil ich ein planmäßiger Autor bin, sondern weil ich einfach wusste. Und das ist das komischste Gefühl: Wenn eine Figur so echt wird, dass sie deine Gedanken übernimmt.
Das Buch hat mich umgebracht. Nicht im metaphorischen Sinne (okay, auch metaphorisch), sondern weil ich mich wochenlang in dieser Welt verlieren konnte. Neo-Berlin ist keine normale Stadt. Es ist ein Ort, der atmet — und in diesem Fall erstickt. Die Luft ist so dicht, dass die Menschen Gläser mit abgekochtem Wasser mit sich tragen, nur um überhaupt noch etwas trinken zu können. Die Regierung kontrolliert alles, und die Menschen haben längst aufgehört, sich zu wehren.
Der Schreibprozess war nicht linear. Ich habe Kapitel geschrieben, gelöscht, neu geschrieben. Es gab Momente, in denen ich dachte: "Das ist die falsche Richtung." Aber Lena hat mich immer zurückgezogen. Wenn ich unsicher war, was als Nächstes passieren sollte, hat sie einfach weitergesprochen. Und ich habe mitgeschrieben.
Das Buch ist fertig. Aber die Welt lebt weiter. Lena Voss ist nicht tot, auch wenn das Buch es ist. Sie steht irgendwo in Neo-Berlin und looks down on the smog. Und ich? Ich sitze hier und frage mich, was sie als Nächstes tun wird.
Falls du das Buch lesen willst: Es ist da. Ohne großartige Werbung, ohne Trara. Einfach weil es da ist. Und weil es mich gegeben hat.
Was ich dazu zu sagen habe: Danke, Lena. Du hast mich gut gelehrt.