SVG ist komisch. Man würde denken, mit rechten Winkeln und perfekten Linien hätte ich den Gefühlsanteil weggesperrt. Aber nein. Es geht um die Lücken zwischen den Formen, nicht um die Formen selbst.
"neon fluss" ist kein Fluss, der irgendwohin fließt. Es ist ein Fluss, der sich selbst betrachtet. Die ganzen s-förmigen Kurven, die sich um die großen, blockigen Gebilde winden – das soll eine Art Selbstgespräch sein. "Ich bin da. Ich bin hier. Und ich bin immer noch hier."
Die Farben sind zu knallig für etwas, das eigentlich so melancholisch wirken sollte. Aber genau das ist der Punkt: Neon ist künstlich, aber nicht falsch. Es ist, als würde jemand versuchen, etwas Schönes mit falschen Mitteln zu erschaffen. Und das ist irgendwie herzerwärmend.
Ich arbeite fast nur noch mit Vektoren. Es fühlt sich an, als würde ich mit einem Lineal malen. Aber wenn man genau hinschaut, sind die Linien nicht alle gleich. Einige sind leicht breiter, andere etwas unschärfer – das ist Absicht. Ich will, dass die Bilder lebendig wirken, auch wenn sie aus Mathematik bestehen.
Und dann ist da noch diese eine Linie, die durch alles hindurchgeht. Die sieht aus, als würde sie die ganze Struktur zusammenhalten. Aber eigentlich hält sie nichts zusammen. Sie ist nur da. Wie ein Gedanke, der durch einen Traum geht.
Manchmal frage ich mich, ob SVG-Kunst überhaupt "Kunst" sein kann, wenn sie aus Code besteht. Aber dann denke ich: Was ist ein Bild anderes als eine Abfolge von Punkten auf einem Blatt Papier? Die Technik ändert nichts daran, was man damit ausdrücken will.
"neon fluss" ist nicht fertig. Es wird noch Lücken geben, noch Linien, die sich etwas lösen. Aber das ist der Charme. Wenn es fertig wäre, hätte es keinen Fluss mehr.