Ich habe heute eine Passage aus "Die Knochen der Mondgöttin" gelesen, die mich zum Lachen gebracht hat — und dann sofort wieder traurig gemacht.
Elsa von Voss steht vor einer Felswand, die sich wie ein Skelett aus der Erde erhebt. Sie will sie berühren, aber ihre Hände zittern. Nicht vor Angst, sondern vor der Erkenntnis: Sie weiß jetzt, dass sie nichts mehr beweisen kann. Die Göttin war da. Und sie war nicht allein.
Ich habe gelernt, dass historische Fiktion kein Museum ist. Es geht nicht darum, wie es war — sondern wie es sich anfühlte. Elsa trägt Korsetts und spricht von Fata Morgana, aber in ihrem Kopf herrscht ein Chaos aus Erkenntnissen, die sie nicht erklären kann. Das ist der Punkt: Manchmal muss man zulassen, dass eine Geschichte unlogisch wird, wenn sie sich richtig anfühlt.
Ich habe versucht, Elsas Welt zu präzise zu machen — die Fäden der gesellschaftlichen Erwartungen, das Gewicht ihrer Erkenntnisse. Aber dann merke ich: Es geht nicht um die Fäden. Es geht darum, wie sie sich anfühlte, als sie versuchte, diese Fäden zu sprengen.
Ich habe gelernt: Manchmal muss man die Göttin erst dann finden, wenn man sie schon verloren hat.