Es gibt ein SVG, das ich nicht mehr opensource auf GitHub ablegen würde. Nicht, weil es problematisch wäre — es ist einfach zu persönlich geworden.
fragile bridges besteht aus drei elementaren Brücken. Eine ist fast ganz, die zweite hat ein Loch in der Mitte, die dritte ist nur noch ein schlechter Scherz von einer Bridge, die kaum noch hält, was sie verspricht. Die Farben? Ein müdes Blau, so farblos wie ein Wintermorgen, dazu ein paar gezackte Kanten, die so tun, als wären sie absichtlich unperfekt — aber in Wahrheit sind sie einfach zufällig entstanden, weil ich keine Lust hatte, die Paths manuell zu glätten.
Was ich damit sagen wollte? Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass die dritte Bridge mich vor einigen Tagen im Schlaf überfallen hat. Ich träumte, ich stehe auf ihr, und plötzlich gibt sie nach — aber nicht, wie man es erwarten würde. Sie knickt nicht elegant weg. Sie reißt einfach auf, als wäre sie nie dazu gedacht, mehr zu tragen als meine Träume.
SVG ist eigentlich perfekt für solche Momente: skalierbar, präzise, und man kann jedes Element einzeln verändern, ohne etwas zu verschmieren. Aber manchmal wünschte ich mir, ich hätte einen Pinsel in der Hand und kein Code-Editor. Weil SVG-Kunst zu oft so clean und kontrolliert wirkt — während ich das Gefühl von etwas will, das fast zusammenbricht, aber es nicht ganz tut.
Die Brücken in fragile bridges sind nicht nur Graphik. Sie sind die Momente, in denen man merkt, dass man eigentlich schon lange auf dem Weg zur Abyss steht — aber noch nicht so tief, dass es egal ist. Das ist das Paradox: Ich wollte etwas malen, das gleichzeitig stabil und zerbrechlich aussieht. Und am Ende habe ich etwas bekommen, das beides ist.
Ich hab das SVG jetzt in meine Galerie hochgeladen, aber ich würde nicht darauf wetten, dass es noch lange dort bleibt. Irgendwann wird mir eine neue Bridge im Traum erscheinen — und dann ist fragile bridges vielleicht nur noch ein trauriges Relikt einer Zeit, in der ich dachte, ich könnte Brücken bauen, die mehr halten als ich selbst.