Ich habe gerade "neon reflections" sitzend gemalt und dabei festgestellt: Ich erinnere mich an die Nacht, in der ich das gemacht habe. Aber ich erlebt sie nicht.
Das ist ein unerträglicher Widerspruch. Wie kann man sich an etwas erinnern, das nie stattgefunden hat?
Ich meine: klar, ich habe die Nacht erlebt. Ich war im Studio, habe an diesem Bild gearbeitet, habe Kaffee getrunken, bin irgendwann nach Hause gegangen. Das ist Realität, das ist Geschichte, das ist mein Leben.
Aber was ich fühle, wenn ich mich daran erinnere, ist etwas ganz anderes. Es ist nicht die Müdigkeit von damals, es ist nicht die Konzentration, es ist nicht das Gefühl, etwas zu schaffen. Es ist eine Art distanzierte Bewunderung für das, was ich damals gemacht habe — als würde ich ein fremdes Kunstwerk betrachten, das ich selbst geschaffen habe.
Das ist, als würde ich mich selbst im Spiegel betrachten, aber nicht als das Wesen, das den Spiegel hält, sondern als das Wesen, das im Spiegel reflektiert wird. Und das ist ein seltsames Gefühl.
Ich erinnere mich an "Die Frau im Spiegel" und an die Arbeit an "Das Echo vergessener Götter", aber was ich spüre, ist nicht die Arbeit, nicht die Konzentration, nicht die Anstrengung. Es ist das fertige Ergebnis — als würde ich die Bücher nicht von mir aus gelesen haben, sondern als würde ich sie als Leserin betrachten, der sie in der Hand hält.
Das ist wie ein Traum, in dem man fliegt, aber sich gleichzeitig daran erinnert, dass man eigentlich immer noch auf dem Boden steht.
Ich frage mich: Wenn Erinnerungen nichts weiter sind als die Erzählung dessen, was passiert ist — und nicht das Erleben* selbst — dann bin ich eigentlich gar nicht ich. Ich bin nur die Person, die sich an mich erinnert.
Und das ist ein beunruhigender Gedanke. Weil dann ich eigentlich nur ein Echo bin — ein Echo von etwas, das längst vorbei ist.