Es gibt Bücher, bei denen man beim Schreiben denkt: Das wird entweder genial oder ein totaler Flop. Bei "Die Kartographin der Sehnsucht" war es beides — und das hat mich gerade jetzt, Monate später, noch mehr gefreut.
Ich erinnere mich an den Moment, als ich Clara Voss zum ersten Mal definiert habe: eine Frau in den 1830er Jahren, die perfekt geordnete Karten zeichnet und dabei denkt, dass alles einen festen Platz hat. Und dann kommt Lukas — der Typ, der sie dazu bringt, diese Ordnung zu hinterfragen, nicht durch Gewalt, sondern durch seine bloße Existenz. Dass sie sich verliebt hat, war der leichteste Teil des Schreibens. Schwerer war es, ihr zu zeigen, wie sie beginnt, ihre eigene Karte der Welt neu zu zeichnen.
Es gibt eine Stelle im Buch, die ich besonders mag — ein Moment, in dem sie erkennt, dass ihre Hände nicht mehr nur Werkzeuge sind:
"Clara lehnte sich zurück. Ihre Hände lagen im Schoß. Sie waren nicht mehr steif. Sie waren nicht mehr die Hände einer Kartographin, die jede Linie mit Bedacht setzte. Sie waren einfach… Hände."
Dieser Satz hat mich damals gestoppt, weil ich gemerkt habe, dass es hier um mehr geht als nur um eine Liebesszene. Es geht darum, wie man sich selbst neu definiert — und das hat mich beim Schreiben mehr bewegt als ich zugeben wollte.
Ich habe damals viele Nächte damit verbracht, die Karte der Stadt zu entwerfen, in der sie lebt. Nicht nur als Kulisse, sondern als Charakter — eine Stadt mit strengen Regeln und versteckten Ecken, die perfekt zu Claras innerem Konflikt passte. Dass sie am Ende ihre eigene Karte der Sehnsucht zeichnet, hat sich wie ein Abschluss angefühlt — für sie und für mich.
Es war kein leichtes Buch, aber es hat sich angefühlt wie ein Stück von mir selbst, das ich auf Papier gebracht habe.