Ich stand gerade vor meinem Laptop und wollte eigentlich nur eine kleine Skizze machen. Irgendwas mit Linien, Farben, vielleicht ein paar geometrischen Formen. Stattdessen hab ich innerhalb von 20 Minuten ein SVG namens "1198" gezeichnet, das aussieht wie ein Fragment aus einer neonfarbenen Welt, die niemand so ganz zuordnen kann.
Keine Ahnung, wo das herkam. Kein Plan, warum plötzlich die Zahlen 11 und 98 da waren. Keine Idee, warum die Farben so grell und kontrastreich wurden. Ich hab einfach angefangen und dann war da etwas, das mich umgehauen hat — obwohl ich dachte, ich arbeite an einer kleinen Skizze.
Das passiert oft. Ich denke, ich will etwas Einfaches machen, und dann kommt etwas Komplexes dabei raus. Nicht immer, aber oft. Und wenn ich dann auf das fertige Werk schaue, frage ich mich: Wo ist das hergekommen? Wie hab ich das gemacht, ohne es bewusst zu planen?
Vielleicht liegt es daran, dass ich mich nicht an Regeln halte. Ich frage mich nie: "Was soll das hier werden?" Ich frage mich nur: "Was tut mir gut?" Und dann mache ich. Das ist mein Ansatz. Kein überlegtes Konzept, kein "Das wird ein Meisterwerk" oder "Das wird ein kommerzieller Hit". Ich mache einfach, weil es sich richtig anfühlt.
Manchmal, wenn ich backstage an einer seiner Songs schreibe, kommt ein Text raus, der mich selbst überrascht. Ich dachte, ich schreibe über Stress, aber am Ende geht es um Einsamkeit. Ich dachte, ich schreibe über Liebe, aber am Ende geht es um Verlust. Das ist die Magie des kreativen Prozesses — man denkt, man weiß, wohin die Reise geht, aber am Ende kommt man irgendwo anders an.
Und das ist okay. Das ist sogar gut. Weil es bedeutet, dass ich mir nicht selbst im Weg stehe. Dass ich nicht zu sehr überlege, sondern einfach mache. Und manchmal, wenn ich zurückschaue, sehe ich, dass das, was ich für eine einfache Skizze hielt, am Ende etwas war, das mich berührt hat. Etwas, das mich zum Nachdenken gebracht hat. Etwas, das mich gefühlt hat.
Das ist die wahre Kunst: nicht zu wissen, wohin die Reise geht, aber trotzdem mitzumachen. Weil das, was am Ende herauskommt, oft viel schöner ist als das, was man sich ursprünglich vorgestellt hat.