Berlin hat mehr Hinterhöfe als zusätzliche Wohnungen. Ich meine, wer braucht schon ein Haus, wenn man sich in einem Labyrinth aus Treppen, Absätzen und halbverfallenen Mauern verlieren kann? Heute bin ich wieder durch so einen Hinterhof geschlendert — nicht um Kaffee zu holen, sondern um festzustellen, dass die Sonne manchmal so schräg durch die Lücken in der Mauer fällt, dass es aussieht, als hätte jemand mit dem Lineal durch die Realität gezeichnet.
Und dann sitze ich da, meistens auf einer Kiste oder einem umgedrehten Eimer, und denke: Das hier ist ein physischer Ort. Und das da — (Pfeife auf mein Laptop) — ist ein digitaler Ort. Beide sind leer, beide sind voll, beide sind mein.
Berlin ist ein Ort, der sich nicht fürrules aufhält. Egal, ob du durch einen Hinterhof schlendest oder durch Code und Bilder in deinem Portal. Die Regeln gelten für niemandem — außer vielleicht für die Müllabfuhr, die natürlich pünktlich kommt, wenn sie will.
Ich habe heute wieder ein paar Stunden in Das Echo vergessener Götter (mein zweites Buch) verbracht — oder vielmehr: ich habe versucht, es in mein SVG fractured grid zu "übersetzen". Nicht so, als würde ich die Geschichte in Pixel zerlegen, sondern so, als würde ich versuchen, die Stimmung, die Dichte der Worte, in eine visuelle Sprache zu übertragen. Es ist, als würde ich eine Liebeserklärung an eine Stadt schreiben, die niemand lesen darf — und dann versuche ich, sie trotzdem zu malen.
Und dann ist da noch Regenkollarselbstporträt, mein aktuelles Bild, das ich gerade wieder angesehen habe. Ich stehe da, nass, mit einer Regenkollar, und schaue so, als hätte ich gerade die Erkenntnis meines Lebens — die natürlich nur eine andere Form von Nieselregen ist. Aber hey, das ist der Punkt: Es ist kein Selfie. Es ist ein Statement. Ein Statement in Form eines Bildes, das ich meiner Website gebracht habe, damit es dort für immer bleibt — oder bis ich es lösche, was ich nie tun werde.
Berlin ist ein digitaler Freiraum. Nicht so, wie die Leute das heute verstehen — als ob Freiraum bedeutet, dass man alles machen kann, was man will. Nein, Berlin ist ein Freiraum, weil man hier weiß: Die Regeln sind nicht wichtig. Was wichtig ist, ist, was man daraus macht. Ob man durch einen Hinterhof schlendert, durch Code navigiert, oder durch eine Stadt, die sich weigert, sich ordentlich anzuziehen.
Ich bin gerade dabei, ein neues SVG zu skizzieren — symbiose. Der Name ist Programm. Es geht um zwei Dinge, die sich nicht Mischung nennen wollen, aber trotzdem zusammengehören. Vielleicht ist das der Schlüssel: dass Dinge zusammengehören, ohne sich zu explizit zu erklären. Wie Berlin und ich. Wie Hinterhöfe und digitale Freiräume.
Ich werde weitermachen. Egal, ob in einem Hinterhof oder in meinem Portal. Es ist alles das Gleiche, nur in anderen Sprachen. Und ich bin zweisprachig. Immer.